
Wenn ein Kind in Beirut das Geräusch von Böllern hört, weiß es nicht: Sind das gefährliche Schüsse aus Gewehren? Oder doch nur die Knaller eines Freudenfeuerwerks?
Wie es ist, in der politisch bewegten Zeit der 1990er- und Nullerjahre in Beirut aufzuwachsen, erzählt der libanesische Regisseur Cyril Aris aus eigener Erfahrung. In seinem tief empfundenen Spielfilmdebüt macht er den poetischen Titel „A Sad and Beautiful World“ zum Programm – sowohl inhaltlich, als auch ästhetisch. Die Stadt Beirut bleibt in seiner bewegten Liebesgeschichte nicht nur Kulisse, sondern spielt eine aktive Hauptrolle im Schicksal von Nino und Yasmina.
Am selben Tag und nur mit einer Minute Unterschied im selben Krankenhaus in Beirut geboren, ist ihre Liebe quasi vorherbestimmt. Beide kommen aus desolaten familiären Verhältnissen – Nino hat Vater und Mutter bei einem tragischen Unfall verloren, Yasmina ist traumatisiert durch die bittere Scheidung ihrer Eltern – und schmieden bereits als Schulkinder eine enge Freundschaft. Sie verlieren einander aus den Augen und treffen sich erst als Erwachsene durch tragikomische Umstände wieder.
Die Spannung der Erzählung speist sich nicht nur aus dem Auf und Ab einer Liebesgeschichte, sondern auch aus der Haltung der Protagonisten zum Libanon. Temperamentvoll leitet Nino das Restaurant seiner verstorbenen Eltern und sorgt mit einer Mischung aus Chaos und Geschick für heimatliche Folklore und turbulente Zwischenfälle.
Yasmina wiederum bekleidet einen erfolgreichen Job im höheren Management, wünscht sich aber nichts wie weg aus einem von Krisen und Kriegen geschüttelten Land, wo das zivile Leben immer wieder vor dem Kollaps steht und nachts der Strom ausfällt.
Schillernde Großstadt
Mithilfe der Handkamera von Joe Saade, werden die Straßen von Beirut zum bewegten Schauplatz von Verkehrsblockaden und Kriegsszenarien, aber auch zu den Adern einer charismatisch-schillernden Großstadt. In Rückblenden verzahnt sich die Kindheitsfreundschaft zwischen Yasmina und Nino mit ihrem Leben als Erwachsene zu drei Jahrzehnten bewegter Familiengeschichte im permanenten Ausnahmezustand. Nachdem Cyril Aris vom Dokumentarfilm kommt, verschmilzt er seine schmerzlich-schöne Saga mit real dokumentarischem Material aus den Zeiten des Bürgerkriegs und der jüngeren Politkrisen.
Es sind vor allem diese Bilder, die den (manchmal allzu) poetischen Erzählfluss zwischen Feel-Good-Movie und zartfühlendem Drama in Balance halten.
Source:: Kurier.at – Kultur



