Kleiner Tod, großer Orgasmus: „Sex and Death at Camp Miasma“

Kultur

Man muss nicht Freud gelesen haben, um zu wissen, dass mit dem „kleinen Tod“ der Orgasmus gemeint ist. Im Kino hat die Verbindung von Sex und Tod schon für viele blutlüsterne Schocker gesorgt, nicht umsonst lautet eine alte Regel des Serienkiller-Genres: Wer im Horrorfilm überleben möchte, darf keinen Sex haben. Die letzte Überlebende, das „Final Girl“, ist am Ende immer die Jungfrau – man denke nur an die stilbildende Jamie Lee Curtis in „Halloween“.

Wer also Sex hat, muss dem Tod ins Auge blicken.

Aber, wer weiß, vielleicht ist es ja auch genau umgekehrt? Vielleicht garantiert nur der Blick in den tödlichen Abgrund den ultimativen Orgasmus? Vielleicht funktioniert weibliche Lust und queeres Begehren ja anders, als es die von Männern bestimmten Horrorregeln bislang vorgeschrieben haben?

Mit all diesen schlauen Überlegungen im Hinterkopf hat sich die non-binäre Regieperson Jane Schoenbrun daran gemacht, eine genussvolle queere Slasher-Parodie mit sehr vielen Meta-Ebenen zu basteln. Schon der Serienkiller selbst nennt sich bei ihr programmatisch „Little Death“ : Er sieht aus wie ein kleines Männchen im Overall, dessen Kopf in einem Belüftungsschacht stecken geblieben ist. Mit einem Spieß in der Hand läuft er kreischenden Teenagern hinterher und erzeugt mit einem Stich meterhohe Blutfontänen. Man ahnt schon: Ernsthaft gruselig wird’s nie beim Teenage-Sex im Camp Miasma. Wer grausigen Hardcore-Horror sehen möchte, muss schon in „Insidious“ (siehe unten) gehen.

Blutlustige Beziehung

Einer von Schoenbruns vielen Meta-Ebenen ist das Filmemachen selbst, der Film-im-Film: Die junge, sexuell verklemmte Regisseurin Kris (Hannah Einbinder) will eine woke Version der berühmten Slasher-Serie „Camp Miasma“ drehen. Bei der Hauptrolle hat sie an die Darstellerin des Originalfilms, der mittlerweile sechzigjährigen Billy Preston, gedacht. Diese findet sie zurückgezogen im Gebirge an jenem Ort, an dem einst „Camp Miasma“ gedreht wurde. Zwischen den beiden Frauen entspinnt sich eine blutlustige Beziehung.

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Schoenbruns selbstironischer, durchwegs unterhaltsamer Zugriff auf das Serienkiller-Genre, taucht – ästhetisch angelehnt an „Stranger Things“ – tief ins Nostalgiebad der 1980er-Jahre ein. Bestens ins Bild ihres hippen Horror-Updates für die Netflix-Generation passt auch die sichtlich amüsierte Gillian Anderson: Berühmt geworden mit „Akte X“ und als Margaret Thatcher in „The Crown“, spielt Anderson ihre Horror-Queen Billy Preston mit dem Gusto der Stummfilmdiva Nora Desmond. Und immer dann, wenn Jungregisseurin Kris vor ihrem eigenen Begehren Schiss bekommt, meint sie tröstlich: „Wenn es dir zu viel wird, kannst du jederzeit abschalten.“

INFO: Kan/USA/GB 2026. 112 Min. Von Jane Schoenbrun. Mit Gillian Anderson, Hannah Einbinder.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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