Theatralischer Sog: Henzes „Der Prinz von Homburg“ in Salzburg

Kultur

Von: Helmut Christian Mayer

Heinrich von Kleist ginge heutzutage als Propagandist und Kriegstreiber durch. Deswegen hat Ingeborg Bachmann in ihrem Libretto zu „Der Prinz von Homburg“ von Hans Werner Henze (UA 1960) den extrem militärischen Text, der von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde, radikal zurechtgestutzt. Beide waren unverdächtig, Preußenfans zu sein, sie interessierte wohl das Außenseiterdrama: Der Prinz als „Systemsprenger“ und seine Liebesgeschichte mit Natalie. Sie haben dadurch einen Abstraktionsgrad erlangt, auf ein anrührendes, auf das individuelle Schicksal konzentriertes Musiktheater.

Kadavergehorsam

Beide feiern heuer ihren 100. Geburtstag und pflegten eine kongeniale Zusammenarbeit, aus der auch die Oper „Der kleine Lord“ resultierte. Jetzt wurde „Der Prinz von Homburg“ konzertant bei den Salzburger Festspielen in der Felsenreitschule aufgeführt und erwies sich als packend.

Der junge, oft träumende Prinz kämpft gegen sich selbst und das System. Es geht um Kadavergehorsam: Er soll hingerichtet werden, weil er entgegen des Befehls seines Onkels handelnd trotzdem die Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden gewonnen hat, wird aber letztlich mit einem Lorbeerkranz gekrönt.

Es sind Elemente der romantischen Operntradition, die Henze aufnimmt und weiterspinnt. Die dodekaphonen und seriellen Passagen erweisen sich teils als zu konstruiert, und man hat das Gefühl, dass sich diese Musik nicht entscheiden kann, ob sie abstrakt oder illustrativ sein will.

Dieser Gegensatz durchdringt auch die Komposition: Durch die Gegenüberstellung unterschiedlicher Klangfarben und Form- oder Stilelemente wird aber die Dualität von „Traumwelt“ und „realer Welt“ direkt fassbar. Die Musik schreit, bläst mit grellen Fanfaren, droht, aber schmeichelt auch und erzeugt einen starken theatralischen Sog und wird von Ingo Metzmacher und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien als scharfzüngiges Märchen klanglich überzeugend umgesetzt.

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Das Schlagzeug imitiert Hufgetrappel, wenn von „Kavallerie“ die Rede ist, beim Blick in das offene Grab deuten Glocken auf das Jenseits hin, und immer wieder blasen grelle Fanfaren zur Schlacht. Den Sängern gönnt der Komponist aber kantable Wendungen.

Georg Nigl ist ein mitreißender Titelheld, reich an emotionalen wie beklemmenden Nuancen. Kathrin Zukowski ist seine Geliebte Natalie, die diese mit beweglichem Sopran hoch emotional gestaltet. Maximilian Schmitt singt den Kurfürsten etwas zu tremoloreich, seine Gattin wird von Tanja Ariane Baumgartner ideal verkörpert. Magnus Dietrich singt des Prinzens Freund Graf Hohenzollern mit fabelhaftem Tenor.

Gut sind auch die vielen kleineren Partien etwa mit Anthony Robin Schneider (Oberst Kollwitz) und Lauri Vasar (Feldmarschall Dörfling). Großer Jubel!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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