
Zuletzt fiel die gelernte Anwältin Schütz mit einer Kandidatur für die ORF-Leitung auf.
KURIER: Warum haben Sie sich die ORF-Kandidatur angetan – ein PR-Gag? Es war klar, dass Sie nicht den Funken einer Chance haben.
Eva Schütz: Bei solchen Prozessen kommt es manchmal zu Überraschungen. Schauen Sie sich die Politik an: Vor der Wahl hätte niemand mit Christian Stocker als Kanzler gerechnet, und wer hätte vor zwei, drei Jahren gedacht, dass Andreas Babler Vizekanzler wird? Ich habe es jedenfalls nicht als ganz chancenlos betrachtet. Und es war eine gute Möglichkeit, in einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren, warum ein so großer Teil der öffentlichen Meinung derzeit so gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Er wird in politischer Hinsicht als nicht objektiv wahrgenommen.
Sie hätten sich zugetraut, das ORF-Meinungsspektrum zu erweitern?
Ich hätte mir zugetraut, mehr Ausgeglichenheit hineinzubringen. Man kann ja die Mehrheitsverhältnisse nicht einfach negieren und der FPÖ keine Auftrittsplattform geben, nur weil man sie nicht mag.
Was haben Sie über den ORF in der Bewerbungszeit gelernt?
Dass andere den öffentlich-rechtlichen Auftrag effizienter erfüllen könnten. Überrascht hat mich die „Zweiklassengesellschaft“ im ORF: Es gibt einen sehr gut verdienenden „Oberbau“ und gleichzeitig sehr viele engagierte Mitarbeiter, die eigentlich nicht viel verdienen.
2021/2022 haben Sie mit finanzieller Unterstützung Ihres damaligen Mannes mit Exxpress ein Medium gegründet, das zuerst als ÖVP-nah galt, mit Ex-Chefredakteur Richard Schmitt aber immer mehr in Richtung rechtes Krawallmedium steuerte. War das der Grund, warum Sie sich von ihm trennten? Diese politischen Einordnungen kamen immer von außen. Richard Schmitt hat das Medium in eine boulevardeske Richtung geführt. Auch Oe24, Krone und Heute setzen auf eine verkürzte Darstellung, um mehr Leser zu gewinnen. Das muss nicht unbedingt Krawall sein. Schmitt ist aber immer wieder in eine Richtung gegangen, mit der ich nicht einverstanden war. Nachdem es nicht gelungen ist, das auszudiskutieren, haben wir uns in freundschaftlicher Art und Weise getrennt.
Was eint Sie mit Ihrer neuen Chefredakteurin Laura Sachslehner und Geschäftsführerin Vera Regensburger? Die eine war ÖVP-Generalsekretärin, die andere Sebastian Kurz-Mitarbeiterin.
Wir sind sehr politisch und liberal. Wir wollen den Wirtschaftsstandort nicht durch noch mehr Regeln und Steuern schwächen. Und wir glauben, dass bei der Migration ein EU-Kurswechsel notwendig ist, weil das System überbeansprucht wurde.
Im Vorjahr ist die deutsche Mediengruppe Vius von Julian Reichelt eingestiegen, die auch das eher rechte Portal Nius betreibt. Sie halten noch 15 Prozent. Haben Sie jemals mit dem Medium Geld verdient oder nur investiert?
Geld haben wir damit noch nie verdient – was auch daran liegt, dass wir bis auf ein Jahr keine Medienförderung bekommen haben. Am Medienmarkt kann man momentan kein Geld verdienen, die Werbeeinnahmen gehen stark in die Onlineportale Google, Facebook etc.
Warum soll die Regierung den Gratis-Boulevard unter dem Titel Qualitätsförderung unterstützen?
Wir haben durchaus auch längere Artikel. Qualität ist ein dehnbarer Begriff und wird von dem definiert, der die Förderung vergibt: zur Zeit von Andreas Babler. Es könnte aber auch einmal ein Medienminister Herbert Kickl sein – was wird dann als Qualität definiert?
Sie hoffen also auf Kickl?
Ich hoffe auf gar nichts, wir können auch ohne Medienförderung ganz gut leben. Im vergangenen Jahr waren es 41.000 …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



