
Dort wohnen, wo man gerne Urlaub macht und die Hauspreise viel erschwinglicher sind: das ist ein Grund, warum sich immer wieder Menschen aus Australien, Deutschland und sogar den USA aufmachen, um ein baufälliges Haus in Italien zu kaufen und dieses bewohnbar zu machen. Auf Instagram erzählen viele ihre Geschichte – sie zeigen Vorher-Bilder des verfallenen Objekts und anhand von Nachher-Fotos, was schließlich daraus geworden ist.
Strukturwandel in den Regionen
Der Grund, warum in Italien einige baufällige Häuser angeboten werden, liegt am Strukturwandel. Seit den 1950er-Jahren sind viele Regionen von einem Bevölkerungsrückgang betroffen – die Abwanderung der jungen Generation ist nie zum Stillstand gekommen, Zuwanderung gibt es kaum. Aus diesem Grund entstanden sogenannter „Geisterdörfer“, die aus Häusern bestehen, die keiner mehr brauchte und mittlerweile baufällig sind.
Das 1-Euro-Haus-Programm ist eine Initiative ländlicher Kommunen in Italien, die verlassene Gebäude für einen symbolischen Preis von einem Euro verkaufen, um dem Leerstand und der Entvölkerung entgegenzuwirken.
Mittlerweile nehmen rund 70 italienische Gemeinden am Programm teil. Die Gemeinden – vor allem in Regionen wie Sizilien, Sardinien, Kalabrien und der Abruzzen – wollen neue Bewohner anlocken, um historische Ortskerne zu revitalisieren und zu beleben. Es geht oft auch darum, dass neue Bewohner vor Ort einen Job annehmen, damit letztlich die gesamte Gemeinde profitiert. Viele der Häuser sind in sehr schlechtem Zustand, können wegen Einsturzgefahr kaum betreten werden oder haben kein Dach mehr.
Was das für Käufer bedeutet
Wer kauft, verpflichtet sich, seinen Wohnsitz in der Gemeinde anzumelden und die Immobilie auf eigene Kosten binnen einer Frist von drei oder fünf Jahren zu renovieren. Häufig muss der Gemeinde auch ein Sanierungsplan vorgelegt werden, Käufer brauchen eine italienische Steuernummer. Wenn Gemeinden zusätzliche Mittel für die Sanierung zur Verfügung stellen oder für die Eröffnung eines Geschäfts im Haus, müssen sich die Käufer verpflichten, für eine bestimmte Dauer in dem Haus zu wohnen.
Sizilien lockt aktuell außerdem mit steuerlichen Vorteilen: Wer seinen Wohnort und den steuerlichen Lebensmittelpunkt aus dem Ausland auf die Insel verlagert, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen erheblichen Teil seiner Einkommenssteuer zurückerhalten. Die betroffenen Gebäude stehen häufig unter Denkmalschutz in historischen Altstadtkernen – und seit vielen Jahren leer. Es kann daher dauern, bis eine Baugenehmigung vorliegt. Interessenten müssen jedenfalls zusätzlich zu den Sanierungs- und Kaufnebenkosten mit Ausgaben rechnen, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.
Sanierungsfälle zu niedrigen Preisen
In Österreich gibt es keine staatlichen oder kommunalen 1-Euro-Häuser-Programme. „Wir haben nicht so extrem strukturschwache Regionen“, begründet Reinhard Lembacher, Immobilienmakler bei der Raiffeisen Immobilien Vermittlung (RIV). Allerdings verkaufen auch hierzulande immer wieder Privatpersonen gröbere Sanierungsfälle für einen niedrigen Preis.
Ein Beispiel dafür ist das Landhäuschen im Mostviertel mit Scheune, das um 95.000 Euro angeboten wird. „Das Dach ist kaputt, die Heizung defekt“, zählt Lembacher auf. Erst unlängst hat ein er ein Haus um 85.000 Euro verkauft, das sich gesetzt habe und bei dem die Fassade abgerissen ist. „Grund und Boden sowie die Lage zählen“, begründet Lembacher den Preis. Fündig werden kann man bereits ab ca. 40.000 Euro, etwa im Burgenland.
Käufer müssen bedenken: Die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Grundbucheintragung und Notariats- oder Rechtsanwaltskosten fallen auch bei sehr billigen Häusern zusätzlich …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



