
Freitagabend, 22.45 Uhr, in einer Bar in der Wiener Innenstadt. Vier Frauen, ein Mann, alle Mitte zwanzig, sitzen zusammen, trinken Cocktails und Antialkoholisches. „Was hältst du eigentlich von ETFs“, fragt die eine plötzlich in die Runde. „Ich kenne mich null aus“, antwortet die andere und erntet prompt eine Reaktion von der Person gegenüber. „Ich finde es schlimm, wenn sich Frauen nicht damit auseinandersetzen.“ Es folgt eine lebhafte Diskussion. Über Investieren, finanzielle Unabhängigkeit und Möglichkeiten, sich selbst ein Vermögen aufzubauen – obwohl es heißt, dass das für die Jungen heute kaum noch möglich wäre.
Über Geld sprechen, sich damit befassen, ist in geworden. Das ist kein Eindruck, sondern lässt sich mit Zahlen belegen. Während Corona gab es am Kapitalmarkt regelrecht einen Boom unter den jungen Anlegern, verrät Fiona Springer von der Finanzmarktaufsicht (FMA). „Es kam zu einer totalen Verjüngung des Kapitalmarkts“, sagt sie. „Die Zahl der 18- bis 24-Jährigen hat sich damals vervierfacht.“ Bei den unter 30-Jährigen wären es nun mehr als doppelt so viele. Alle anderen Altersgruppen wären in etwa gleich geblieben.
Worin die Jungen investieren? In breit gestreute Aktienportfolios wie ETFs, aber auch in grüne, nachhaltige Produkte. Über den klassischen Bankberater sei keiner gekommen, sondern „natürlich alle über das beratungsfreie Geschäft“, sagt Springer. Die Beratung übernehmen die KI oder Vorbilder im Internet. Die Investition verläuft niederschwellig. Über Neo-Broker, Trading-Plattformen und Apps. Woher das plötzliche Interesse kam, darüber lässt sich spekulieren. Mögliche Antworten finden sich auch da im Netz.
Was hat es mit der FIRE-Bewegung auf sich?
Zahlreiche Studien belegen, dass sich Junge stark um ihre Finanzen sorgen. Jeder Zweite fühlt sich finanziell nicht ausreichend abgesichert, erhebt Deloitte in seiner „GenZ & Millennial Survey 2026“. Eine YouGov-Umfrage aus Dezember 2025 belegt, dass 57 bis 72 Prozent junger Erwerbstätiger in ganz Europa davon ausgehen, im Ruhestand kein angenehmes Leben führen zu können. Die Unsicherheit ist groß – dabei ist es genau das, wonach sich die Jungen am meisten sehnen: Sicherheit. Darüber sind sich Jugendforscher einig.
Eine Reaktion darauf: Die FIRE-Bewegung – Financial Independence, Retire Early. Es geht darum, sich eigenständig ein Vermögen aufzubauen, mehr Freiheiten in der Lebensgestaltung zu gewinnen, sich für den späteren Lebensabschnitt finanziell abzusichern – und nicht unbedingt darum, den Stift so früh wie möglich fallen zu lassen. Man wolle das Risiko von Altersarmut bewusst verringern, berichtet u. a. Euronews über die Bewegung.
Der Einstieg in den Kapitalmarkt birgt bekanntlich Chancen, aber auch Risiken. Worauf müssen Einsteiger achten und auf wessen Expertise können sie wirklich vertrauen?
Wie sich Junge ein Vermögen aufbauen
Selbst mit begrenztem Startkapital könne man sich auch heute noch ein solides Vermögen aufbauen, sagt Guido Küsters, Geschäftsführer des Verbands Financial Planners (AFP). „Wirklich reich wird man vielleicht nicht, vor allem nicht mit einem normalen Angestelltengehalt, aber man kann einen gewissen Wohlstand und Sicherheit erreichen.“ Eine konkrete Anleitung für Vermögensaufbau kann er nicht geben. Küsters verweist dennoch auf fünf Grundregeln.
Wichtig wäre, früh zu beginnen (1). Selbst kleine, regelmäßige Beträge könnten eine relevante Wirkung erzeugen. Ein bis drei Monatsgehälter sollten als Liquiditätsreserve hinterlegt sein (2). Beim Anlegen solle man sich nicht an Trends orientieren und …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



