
Die Anstrengung von 120 Minuten und die Enttäuschung vom Aus im Europacup sorgen für eine Rotation bei Rapid. „Wir werden einige Spieler tauschen müssen“, kündigt Trainer Johannes Hoff Thorup vor dem Sonntagsschlager gegen Sturm an.
Matthias Seidl hat sich hingegen wie vor jedem seiner bislang 148 Rapid-Einsätze fit gemeldet. Der Mittelfeldmotor war in drei Jahren und drei Monaten nie verletzt. Es wartet das 100. Bundesliga-Spiel – es könnte das letzte für Seidl werden.
Vom ersten an (1:1 samt Tor beim LASK 2023) zeigte sich der bodenständige Kuchler als Verstärkung.
Unter Ex-Coach Barisic ein klarer Zehner, wurde der Dauerläufer unter Klauß zum Kapitän. Dennoch wurde es für Seidl unter dem Deutschen wegen der Umstellung aufs 4-2-2-2-System schwieriger: Für die Rolle als offensiver Halbflügel fehlt die Explosivität.
Rekordtempo zum 100er
Gespielt hat der Bruder von Sturm-Neuzugang Simon immer. Nach nur zwei Jahren und zwei Wochen waren 100 Pflichtspiele ohne Pause absolviert. So schnell hat das in der Vereinsgeschichte kein anderer Rapidler geschafft.
Obwohl auch in der Ära Stöger nie verletzt, folgten Partien ohne Einsatz – so wie beim 1:3 im Heimderby, das den Absturz einleitete.
Als beim Ende der Meisterträume in Runde 30 gegen den LASK (1:3) in Minute 97 für ein Frustfoul die erste Rote Karte der Karriere passierte, war Seidl, fassungslos über den Aussetzer, untröstlich.
Weil nach wie vor ein fitter Sechser fehlt, schob Hoff Thorup den Vielseitigen nach hinten. Der EM-Starter beklagte sich nie, wurde in der defensiveren Rolle stärker – und zeigt sich wieder in Topform: In neun Einsätzen gelangen bereits sieben Assists.
Der Haken an der Sache: Seidls Vertrag läuft mit Saisonende aus. Beim KURIER-Bericht über ein Angebot für einen Stammspieler, den Rapid nicht verkaufen will, handelte es sich um den Kapitän.
Marcelin wieder verletzt
Da stellt sich die Frage, warum nicht schon längst verlängert wurde?
Der 25-Jährige hat noch immer seinen Billigvertrag von 2023, eingestuft als Zweitligaspieler, der von Blau-Weiß kommt. Ein ganzes Team an Legionären kam seither mit wesentlich teureren Verträgen. So wie Marcelin, der nach einer neuerlichen Verletzung wieder „bis zu zehn Wochen fehlen wird“.
Über sein Reservistengehalt hat sich Seidl gegenüber Journalisten übrigens nie beschwert.
„Verein über eigenem Ego“
Ob sein „silent leader“ genug Wertschätzung bei Rapid erfährt, beantwortet Hoff Thorup deutlich: „Nein!“
Das zeigt sich auch auf der Tribüne: Im Frühjahr gab es ein Fan-Transparent an Seidl mit der Ergänzung „Kapitän“, also ein Anführer nur unter Anführungszeichen.
Hoff Thorup erklärt auf KURIER-Anfrage sein Verständnis eines Kapitäns: „Manche denken noch wie früher, als sich einer aufgeplustert und herumgeschrien hat. Aber ein wahrer Kapitän wie Matti denkt immer an das Team, passt auf seine Kollegen auf, stellt den Verein über das eigene Ego und trainiert sogar noch extra, um immer verfügbar zu sein.“
Der Däne erinnert sich, wie er Seidl im Februar nach nur drei Partien auf die Bank setzte: „Was hat Matti gemacht? Er ist gegen den WAC reingekommen und hat uns den 2:0-Sieg ermöglicht. Das ist Charakter. Genau solche Spieler sollen auch künftig Rapid repräsentieren.“
Gescheiterte Verhandlung 2024
Sportchef Markus Katzer rechtfertigt die ausgebliebene Vertragsverlängerung damit, dass rund um die Beförderung zum Kapitän eine Verlängerung – erfolglos – verhandelt wurde. Gescheitert sein …read more
Source:: Kurier.at – Sport



