Start-up-Gründer: „Diesen Fehler würde ich heute nicht mehr machen“

Wirtschaft

Michael Ramel gründete mit Christoph Oswald vor rund zwei Jahren das Start-up constrct. Ganz banal gesagt: eine Online-Plattform für Baumaterialien, auf der Firmen Baustoffe einkaufen können. Seit einem Jahr kooperieren sie mit WU Ignite Ventures, der Beteiligungsgesellschaft der Wirtschaftsuniversität Wien. Dem KURIER erzählt Ramel, was sich seither getan hat – und was er heute anders machen würde.

KURIER: Seit einem Jahr kooperieren Sie mit WU Ignite Ventures. Ihre Bilanz?

Michael Ramel: Das Jahr war intensiv und in Summe sehr positiv. Wir haben in den vergangenen Monaten das Produkt stark weiterentwickelt und unser Preismodell noch einmal komplett neu gedacht. Genau in solchen Phasen merkt man, was ein Partner wirklich wert ist.

WU Ignite Ventures unterstützt junge Start-ups in der Vorgründungsphase mit 50.000 Euro.

Ja, aber das hat uns nicht nur Kapital und damit Zeit gegeben, sondern vor allem einen Sparringpartner, um strategische Punkte gemeinsam durchzusprechen und uns bei schwierigen Entscheidungen zu unterstützen. Dazu kommt das Netzwerk, über das Türen aufgehen, die man sich als kleines Team sonst mühsam selbst aufstemmen muss. Ein sehr gutes Jahr also, aber sicher kein geradliniges.

Mit welchen Vorstellungen sind Sie mit constrct gestartet – und wie viel davon ist noch übrig?

Die Vorstellung war einfach und ziemlich technisch: die Beschaffung im Bau von der Bestellung bis zur Rechnung durchgängig zu digitalisieren, über direkte Schnittstellen zu den Lieferanten. Der Bauunternehmer sollte bestellen können wie in einem Online-Shop und sich um den Rest nicht mehr kümmern müssen. Vor allem war ich überzeugt, dass die größte Hürde bei uns liegt, also in unserer Technologie. Dass sie zu einem guten Teil außerhalb liegt, habe ich erst im Laufe der Zeit verstanden.

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Bedeutet?

Ein großer Teil der Lieferanten in Österreich steht digital viel weiter am Anfang, als wir angenommen hatten. Dort gibt es oft gar keine Schnittstelle, an die man andocken könnte. Also haben wir Prozesse entwickelt, die auch ohne Schnittstelle funktionieren und mit denen wir mit jedem Lieferanten arbeiten können. Beim Preismodell war es ähnlich: Unser ursprüngliches Modell hat auf dem Papier funktioniert und hätte für die Kunden Sinn ergeben. Es wurde in der Realität aber nicht so angenommen wie erwartet.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Wir haben uns phasenweise zu stark von einzelnen Kundenwünschen leiten lassen, vor allem bei den Features. Jede Anforderung klingt im Gespräch plausibel, in Summe baut man dann aber ein Produkt, das zu einem Kunden passt und für andere vielleicht gar nicht relevant ist. Und ich würde heute viel früher Leute für den Vertrieb einstellen, weil man das Volumen nur so nach oben bekommt.

Was sind Ihre nächsten großen Ziele?

Kurzfristig geht es darum, in Österreich weiter zu wachsen. Der deutschsprachige Raum ist danach die logische Fortsetzung. Die Probleme sind dort dieselben. Parallel dazu planen wir eine weitere Finanzierungsrunde. Intern arbeiten wir daran, eine Organisation aufzubauen, die auch dann funktioniert, wenn nicht bei jeder Entscheidung einer von uns beiden im Raum sitzt.

Wie sehr hat sich Ihr Alltag verändert?

Ich stehe um sieben Uhr auf und arbeite meist schon eine Stunde von zu Hause, bevor es ins Büro geht, oft dann auch bis 23 Uhr am …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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