
Eigentlich müsste Wolfgang Winheim dieses Internet ja niederschreiben. Denn er war schon lange vor ihm da. Ein W mehr macht da überhaupt keinen Mehrwert. Wer wirklich glaubt, dass das www (World Wide Web) unserem WW die Welt erklären könnte, der ist … genau: ein W.
Wolfgang Winheim hat für den KURIER Berichte geschrieben, die österreichische Sportgeschichte sind. Er hat in den letzten sechs Jahrzehnten Sachen erlebt, die kaum ein anderer Sportjournalist erlebt hat. Er kennt zum Beispiel Erik Schinegger, als der noch eine Erika war und 1966 in Portillo WM-Gold in der Abfahrt gewann. Wohlgemerkt bei den Frauen.
Ja, das mag jetzt verwirrend klingen, aber der WW hat es Jahre später in einer TV-Doku auf seine unnachahmliche Weise auf den Punkt gebracht. Mit seinem typischen Seufzer: „Hmmm, schee war s’ net.“
Konnte man ihm darüber böse sein? Natürlich nicht. Erstens wird der WW nie müde, in seinem Tagebuch die Verdienste von Erik Schinegger zu würdigen – erst dieser Tage wieder zu lesen im KURIER – zum anderen besaß und besitzt er die Gabe, Kritik zu üben, ohne zu beleidigen. Er legt den Finger tief in Wunden, ohne Schmerzen zu verursachen. Billige Schlagzeilen und willige Klicks sind nun einmal nicht sein Stil.
Wir alle in der KURIER-Sportredaktion kennen den Wolfgang Winheim seit jeher nur als … WW. Nicht selten mit der Betonung auf Wehweh, wenn er – kritisch, wie er nun einmal ist – von den guten, alten Zeiten schwärmt und für den KURIER und uns düstere Zeiten heraufbeschwört.
Das dürfte dann aber so ziemlich die einzige Zeitungsente in seiner langen Reporterlaufbahn gewesen sein. Denn natürlich gibt’s den KURIER 2026 immer noch und der WW geht heute längst als Jopi Heesters (1903–2011) der Sportjournalisten durch.
Nur eines ist unverrückbar: Die richtige Anrede für Wolfgang Winheim, unseren WW. Der WW ist weder ein Wolfi (zu beliebig) noch ein Wolferl (bei der Haarpracht), und als banaler Wolfgang geht er sowieso nicht durch. Wir in der KURIER-Sportredaktion sind dann mit dem Wolfgang Winheim tatsächlich per Sie.
Das mag jetzt per se komisch klingen, vor allem, weil sämtliche Kollegen anderer Medien mit ihm per Du sind, aber es hat sich halt so eingebürgert. Und das ist gut so. Nicht etwa, weil der WW darauf Wert legen würde, unser Siezen ist ihm eigentlich sogar unangenehm. Nein, wir wollen es so.
Nach drei Jahrzehnten intensiver Zusammenarbeit, nach gemeinsamen Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, nach Wohngemeinschaften in Garmisch oder Whistler Mountain, nach Frühstückspleiten und Toiletten-Pannen – eines ist geblieben: Das Sie.
Falsch: Einmal hat mir der WW tatsächlich das Du-Wort angeboten. Es war nach den Winterspielen 2010 in Vancouver, als wir KURIER-Reporter noch einen Urlaub in Mexiko einlegten. Zum Ausspannen. Zum Runterkommen. Und um auf die Etikette zu pfeifen. Wolfgang Winheim, der WW, war damals am vorletzten Tag zu später Stunde plötzlich mit mir per Du. Ich fühlte mich geehrt – aber noch weit mehr irritiert.
Am nächsten Tag kam beim Frühstück die Stunde der Wahrheit. Wie da verhalten? Was bloß sagen? Servus Wolfi, Hallo WW, Habe die Ehre Wolferl?
Wir haben uns dann wieder mit Sie angesprochen. Eh klar.
Happy …read more
Source:: Kurier.at – Sport



