Mega-Prämien für Kinder – und doch werden die Geburten nicht mehr

Politik

Wäre es nur eine Frage des Geldes, Kinder zu bekommen, hätte Singapur wohl bald die höchste Geburtenrate der Welt vorzuweisen. 10.000 Singapur-Dollar – umgerechnet 6.750 Euro – will die Regierung des reichen südostasiatischen Stadtstaates künftig für jede Geburt an die Eltern auszahlen.

Mehr noch, versprach Premierminister Lawrence Wong in der Vorwoche: Bis zum Alter von 17 Jahren werde jedes singapurische Kind umgerechnet 47.280 Euro an direkter Unterstützung erhalten. Staatliche Zuzahlungen zur Kinderbetreuung, Ausweitung des bezahlten Elternurlaubs, erweiterter Vaterschaftsurlaub und vieles mehr – allesamt Maßnahmen, die das Familienleben in der teuren Stadt mit dem extrem hohen Arbeitsdruck erleichtern sollen. Derzeit liegt die Geburtenrate bei niedrigen 0,87 Kindern pro Frau – nur in Südkorea und Taiwan sind es noch weniger.

Neue Strategie

„Trotz all unserer Bemühungen, Familien zu unterstützen, müssen wir realistisch sein – unsere Geburtenrate wird voraussichtlich immer noch weit unter dem Bestandserhaltungsniveau liegen“, gestand Wong vergangenen Sonntag ein.

Der sechs Millionen Einwohner zählende Stadtstaat schwenkt deshalb auf eine andere Strategie um: „Wenn wir uns nur auf mehr Geburten stützen würden, würde unsere Bevölkerung trotzdem schrumpfen. Wir würden schneller altern“, sagte der Premier, „und es gäbe weniger jüngere Singapurer, die eine wachsende Zahl älterer Menschen versorgen könnten.“

„Gesundes Altern“

Parallel zu den großzügigen Familienförderungen wurde deshalb nun auch die Devise „gesundes Altern“ ausgegeben – sowie längeres Arbeiten. Ein ganzes Bündel am Maßnahmen wird auf den Weg gebracht: Von der weiteren Verbesserung der Gesundheitsversorgung bis hin zur Verlängerung der Lebensarbeitszeiten. Dafür sollen wiederum die Angebote zu Umschulungen erhöht werden, um Menschen länger im Job zu halten. Derzeit beträgt das Pensionsantrittsalter für Frauen und Männer in Singapur 64 Jahre.

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Bald aber werde diese Grenze nach oben verschoben werden, meinen Experten: „Alt sein“ werde dann nicht mehr mit 60 oder 65 Jahren beginnen, sondern mit „70 bis 75 Jahren“. Solch ein Schub würde den demographischen Druck auf Singapur zwar nicht völlig beseitigen, aber den Begriff von Erfolg neu definieren: Weg von der bloßen Erhöhung der Geburtenzahlen hin zum Ziel, längere Lebensjahre gesund, produktiv und besser abgesichert zu gestalten.

Zudem stellt der Stadtstaat, dessen Seniorenheime eher nur von der reicheren Bevölkerung genutzt werden, jungen Ehepaaren bei der Wohnungssuche hohen Kostenerlass zur Verfügung, wenn diese in die Nähe ihrer Mütter oder Väter ziehen. So soll sichergestellt sein, dass sich die Jungen um die Alten in der Familie kümmern.

Kontrollierte Migration

Zuwanderung, mit der die schrumpfenden Bevölkerungszahlen eingefangen werden könnten, ist hingegen ein heikles Thema. Migration wird in Singapur streng kontrolliert, Arbeitsvisa für Fachkräfte werden nur für eine bestimmte Zeit und nach Quoten vergeben. Rund ein Drittel der Bewohner des florierenden Stadtstaates sind Migranten – sich dauerhaft in Singapur niederzulassen, wird ihnen aber schwer bis unmöglich gemacht.

Von Singapur bis China, von Südkorea bis Japan – in ganz Ostasien bietet sich dasselbe Bild: extrem niedrige Geburtenraten – und angesichts streng limitierter Zuwanderung – sinkende Bevölkerungszahlen samt rasch steigender Überalterung. Der Vorreiter dieses Trends, Japan, hatte mit 128 Millionen seine höchste Bevölkerungszahl 2008 erreicht, seither ist diese Zahl um fünf Millionen Einwohner gesunken.

In Südkorea gehen angesichts der fast niedrigsten Geburtenrate der Welt die Befürchtungen sogar so weit, dass sich …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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