„Sich durchsetzen – gegen diesen Staat“: Warum die AfD in Deutschland punktet

Politik

Da sind sie wieder, die Geschichten vom ewig jammernden Ossi, der nur Geld aus dem Westen einstreift – und jene vom überheblichen Wessi, der keine Ahnung vom eigentlichen Deutschland hat. Als hätte man den immergleichen Knopf gedrückt, hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag die Debatte um die noch immer nicht wirklich wiedervereinigte Bundesrepublik angefacht. In Kommentaren in großen Tageszeitungen wurde die These verbreitet, dass der Osten, also die ehemalige DDR, immer noch finanziell vom Westen abhängig sei. Zugleich machten ostdeutsche Regionalpolitiker die aktuelle Pensionsdebatte ganz gezielt zu einem Problem der ostdeutschen Bürger. Das geplante Ende der Rente mit 63 würde vor allem sie treffen.

Gefühl der Demütigung

Die wirtschaftliche und soziale Realität in Deutschland bildet diese Debatte nur sehr unscharf ab, wie der deutsche Politikwissenschaftler Felix Butzlaff von der Central European University in Wien erklärt: „Betrachtet man die Fakten, hat sich das Leben überall in Ostdeutschland, also auch in Sachsen-Anhalt, seit der Wende in allen Bereichen deutlich verbessert. “ Trotzdem gebe es noch immer Unterschiede: Die Löhne sind in Ostdeutschland noch immer niedriger, die Vermögen auch, daher werde auch deutlich weniger vererbt. In Führungspositionen und in der Bundesregierung sitzen zu wenige Ostdeutsche. Butzlaff: „Dazu kommt, dass Ostdeutsche bis heute in Führungsetagen in der Wirtschaft, aber auch in Politik und Justiz krass unterrepräsentiert sind.“

Das alles trägt zu einem Grundgefühl der Ostdeutschen bei, das der Politikwissenschaftler als „gepflegte Enttäuschung“ bezeichnet: „Man fühlt sich gedemütigt, nicht geschätzt.“

AfD-Alleinregierung?

Und dieses Grundgefühl zahlt verlässlich bei der AfD ein, die es gerade im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt verlässlich bedient. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, obwohl erst nach der Wende geboren, fährt ein Simpson-Moped, einst Standard-Zweirad der DDR, und nimmt damit sogar an Nostalgie-Ausfahrten teil.

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Der Osten als das bessere, das deutschere Deutschland: Diese Botschaft der AfD holt im Osten gerade Menschen, die sich innerlich von der Politik verabschiedet haben. Auch in Sachsen-Anhalt tendieren gerade bisherige Nichtwähler zur AfD, tragen zu ihrem Höhenflug bei, der ihr laut Umfragen sogar eine absolute Mehrheit und damit die Alleinregierung in dem Bundesland einbringen könnte.

Sich „emanzipieren“

Es gehe also um „Selbstermächtigung“, so der Politikwissenschaftler: „Das Gefühl, sich durchzusetzen, sich zu emanzipieren, wieder gehört zu werden“, das werde heute von den Rechten viel besser bedient als von den Linken, obwohl genau das einst deren Versprechen an ihre Wähler war.

„Hol dir dieses Land zurück“

„Hol dir dieses Land zurück“, einer der zentralen Wahlkampf-Parolen der AfD bringt diese Botschaft auf den Punkt. Die gefühlte Ohnmacht der „Ossis“ werde mit der gefühlten Emanzipation von den politischen Eliten beantwortet. Die Angst vieler Ostdeutscher, nur noch Kolonie des Westens zu sein und mit ihrer Kultur und Identität zu verschwinden, werde mit einer verklärten Erinnerung an die DDR beantwortet. Die werde so zu einer Art „versunkener Zivilisation“.

Versprechen einer positiven Veränderung

Die AfD sei also über die Botschaften einer reinen Protestpartei hinaus: „Sie bietet sich als das Vehikel an, das die Bürger aus ihrer Frustration herausholt.“ Was die Gegner der AfD oft als rückwärtsgewandt – als zurück in die 1950er – abtun, komme bei vielen Wählern als zukunftsorientiert, als Versprechen einer positiven Veränderung an: „Es wäre gefährlich, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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