
Rachel Cusk, preisgekrönte Autorin und bekannt für ihren scharfen Schreibstil, zog mit ihrem neuen Roman „Das Leben der M“ eher mittelmäßige Kritiken an Land. Trotzdem wird das Buch in den USA gerade heiß diskutiert. Cusks Hauptfigur ähnelt nämlich in vielen Details der Schauspielerin Natalie Portman – die Cusk persönlich kennt. Und Portman – oder der Filmstar in dem Buch – kommt gar nicht gut weg. Kritiker sehen den Roman daher als Überschreitung dessen, was ein Buch und seine Autorin dürfen.
M ist eine gefeierte Schauspielerin, weltberühmt und geliebt. Die Erzählerin ist eine Autorin, die M anbietet, ihre Autobiografie zu schreiben. M willigt ein, der weitere Roman setzt sich zusammen aus Beobachtungen der Autorin über M und ihrer Biografie.
Die Erzählerin stellt die Schauspielerin als nach außen hin guten Menschen, aber innen kalt und leer dar. Sie versteht weder Liebe noch Depression und wundert sich, wie normale Menschen in ihrer Bedeutungslosigkeit leben können. Laut dem Telegraph hinterlässt der Roman den „Eindruck von einer Autorin, die nach und nach die Gliedmaßen einer Person abreißt, wie ein Kind bei einem Insekt, ohne jegliche Rücksicht auf das Leid oder das Selbstempfinden des Tieres.“
Parallelen
Der Lebensweg Ms im Roman gleicht dem Portmans dabei in vielen Einzelheiten: Sie hat als Kind in einem Film mitgespielt, der „ihre Jugend schlagartig beendete“, ihre Mutter hat erwirkt, dass Szenen aus dem Film gestrichen werden, und nachher wurde M in der Schule dafür gemobbt. Portmans Erzählungen über ihren ersten Film „Léon – Der Profi“ gleichen Ms Erfahrungen dabei genauso, wie deren größter Erfolg mit einem Ballettfilm. Portman gewann einen Oscar für „Black Swan“.
Auch eine im Buch beschriebene Werbekampagne Ms ähnelt Portmans Dior-Werbungen. Die Stadt, in der der Roman spielt, erinnert auffallend an Paris, wo sowohl Portman als auch Cusk leben. Die beiden sind sich auch schon des Öfteren begegnet. Schon zweimal wählte Portman Bücher von Cusk für ihren Online-Buchklub aus, zu einem der Bücher hat sie laut New York Times auch ein Interview mit der Autorin geführt. Obwohl keine wirkliche Freundschaft zwischen den beiden entstanden ist, hat Portman durchaus Bewunderung für die Autorin ausgedrückt.
Und Cusk? Sollte Life of M wirklich auf Portmans Person basieren, dann hat die Autorin wohl kein gutes Bild von der Schauspielerin. Doch sie möchte nichts Genaueres sagen, weder bestätigt sie noch widerlegt sie die Aussagen. „Darum geht es nicht wirklich“, sagt sie.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Cusk sich ein bisschen zu sehr von realen Personen inspirieren lässt. Die erste Ausgabe ihres Romans „The Last Supper“ musste zurückgezogen werden, da sich einige Personen in den Figuren des Buchs wiedererkannten und mit rechtlichen Schritten drohten.
Kein Zugriff
Einer der Eigenarten eines Schlüsselromans, also eines Romans, dessen Figuren stellvertretend für reale Personen stehen, steckt aber in der Schwierigkeit, eben solche rechtlichen Schritte zu unternehmen. Möglich ist es schon, üble Nachrede oder Beleidigung zu unterstellen. Doch allein durch das Identifizieren mit eher unschönen Figuren gibt man ja vielleicht doch zu, etwas mit der Figur gemeinsam zu haben und dem Autor indirekt rechtzugeben. Von Portman selbst gibt es bis heute keine offizielle Stellungnahme zu …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



