Zahlreiche Baustellen bremsen den ÖBB-Güterverkehr

Wirtschaft

Zahlreiche Streckensperren wegen Modernisierungen machen der ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Group (RCG) und ihrem wichtigsten Kunden Voestalpine das Leben schwer.

„Auf europäischer Schieneninfrastruktur sind aktuell oder kurzfristig auf den Hauptkorridoren 37 massive Baustellen geplant, die den Schienengüterverkehr belasten. Sieben davon allein in Deutschland“, sagt RCG-Vorstand Christoph Grasl. „Man kann heutzutage einfach fast nicht mehr normal Bahn fahren, wenn man internationalen Schienengüterverkehr betreibt. Man muss fast zickzack durch Europa fahren.“ Nachsatz: „Wir sehen extreme Mängel in der europäischen Koordination der Infrastruktur. Jeder ist hier sehr national unterwegs.“

Kapazitätsengpässe

Täglich müssen 40.000 Tonnen Rohstoffe zu den Voestalpine-Standorten in Linz und Donawitz gelangen, damit die Stahlproduktion nicht stillsteht. Ein erheblicher Teil davon, 3,1 Millionen Tonnen im Jahr, kommt über den slowenischen Adriahafen Koper.

Doch die Bahnstrecke dorthin gleicht derzeit einem Flickenteppich aus Baustellen. Auf den Strecken Koper–Divača, Brezovica–Preseje, Borovnica–Verd sowie zwischen Ljubljana und Jesenice laufen derzeit umfangreiche Bauarbeiten.

Auch der Grenzbahnhof Jesenice wird bis September 2027 modernisiert. Die Folge: weniger verfügbare Gleise, Kapazitätsengpässe und komplexere Logistik für internationale Güterzüge.

Um die Versorgung trotz Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, setzen RCG und die slowenische Güterbahn SŽ-Tovorni promet auf engere Abstimmung. Während der Modernisierung des Grenzbahnhofs Jesenice kommen interoperable Lokomotiven zum Einsatz, die grenzüberschreitend fahren können. Dadurch verkürzt sich die Aufenthaltsdauer der Züge von rund zwei Stunden auf 30 Minuten. Für längere Sperrphasen wurden alternative Routen über den Grenzbahnhof Spielfeld-Strass erarbeitet.

„Logistik ist absoluter Erfolgsfaktor“

„Die Logistik ist in der Zwischenzeit zu einem absoluten Erfolgsfaktor geworden“, sagt Hubert Zajicek, Vorstandsmitglied der Voestalpine AG. „Die meisten anderen unserer Wettbewerber waren gezwungen, ihre Produktion zurückzufahren. Das haben wir in dieser Form dank dieser sehr zuverlässigen Lösungsfindung, nie machen müssen.“

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Ab 2027 sollen im Rahmen des Programms „greentec steel“ die nächsten Schritte zur CO₂-Reduktion in der Stahlproduktion umgesetzt werden. „Dieser Wandel wird auch unsere Lieferketten verändern und die Anforderungen an den Transport von Rohstoffen weiter erhöhen“, sagt Hubert Zajicek, Vorstandsmitglied der voestalpine AG. 

Europäische Infrastrukturplanung gefordert

Indes geht Grasl davon aus, dass die Umleitungen der Güterzüge seinem Unternehmen heuer 20 Millionen Euro kosten werden, die nicht an die Kunden weitergegeben werden können. Er fordert daher, dass diese Mehrkosten den Eisenbahnunternehmen ersetzt werden.

Mehr noch. Die RCG nutzt die Probleme, um strukturelle Forderungen zu platzieren: koordinierte europäische Infrastrukturplanung, harmonisierte Standards, vereinfachte Grenzprozesse und mehr Digitalisierung. „Einen Zug durch Europa zu fahren, muss so einfach sein wie einen Lkw“, fordert Grasl. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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