Venedig: Guter Käse mit John Malkovich, schräge Sitten mit Werner Herzog

Kultur

Das Filmfestival in Venedig hat gerade erst begonnen, schon wurde der erste Löwe verteilt. Hollywoodstar George Clooney, sympathisch wie immer, erhielt einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk und ließ sich dafür bei der Eröffnungsgala von Kollegin Laura Dern loben. Bei dieser Gelegenheit wurde er mit einem guten Käse verglichen: Er, George Clooney, „altert so würdevoll wie ein alter Gouda“, ließ ihm sein guter Freund Brad Pitt via Laura Dern ausrichten.

Die Qualität von gutem Käse wird noch zu diskutieren sein – etwa in dem herausragenden Wettbewerbsbeitrag von Martin McDonagh. In seiner exzellenten Politsatire „Wild Horse Nine“ schickt der britische Regisseur und Dramatiker seine charismatischen Hauptdarsteller John Malkovich und Sam Rockwell auf die chilenische Osterinsel. Die beiden nennen sich Chris und Lee und sind zwei abgehalfterte Agenten des CIA mit dreckiger Vergangenheit. Schon am Flughafen von Santiago de Chile diskutieren sie lautstark und präpotent darüber, dass man guten Käse nur im schwulen, demokratischen Europa finde, in Russland hingegen nie.

Sturz von Allende

Ihre scharfzüngigen Dialoge klingen sehr nach zeitgenössischer US-Politsatire, doch wir befinden uns im Jahr 1973 und den knalligen Farben von Polaroidbildern. Der Militärputsch gegen Präsident Allende steht kurz bevor – und wie sich herausstellt, sind Chris und Lee über die bevorstehenden Ereignisse bestens informiert.

Überhaupt erklärt sich der wahre Grund ihrer Reise erst so nach und nach – und die Schritte der langsamen Enthüllung tauchen die Zuschauer in ein unbändiges Wechselbad der Gefühle.

Martin McDonagh hat zuletzt mit „The Banshees of Inisherin“ auf dem Filmfestival in Venedig reüssiert und 2022 gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Colin Farrell Preise eingeheimst. Mit „Wild Horse Nine“ wird er nahtlos an diesen Erfolg anschließen können. Seine Kunstfertigkeit, den Tonfall beständig zu wechseln, sucht seinesgleichen: Zuerst will man sich den Bauch halten vor Lachen, wenn man den beiden CIA-Deppen bei ihren beschränkten Weltsichten zuhört; Malkovich mit seinem manieriert singenden Tonfall und Rockwell als sein einfältiger Sidekick ergeben ein herrliches Comedy-Paar. Doch was zuerst als lustige Agentenkomödie daherkommt, entpuppt sich zunehmend als düsterer Blick in den Abgrund amerikanischer Außenpolitik und deren Rolle, in Staaten wie Chile die Demokratie zu sabotieren. Gerade hatte man noch Lachtränen im Auge, muss man schon zum Taschentuch greifen: Die schwarzhumorige Weltsicht von Martin McDonagh ist einfach todtraurig.

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Hommage an David Lynch

Nicht gerade für seinen Humor berühmt ist Werner Herzog. Mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Bucking Fastard“ heimste der deutsche Regieveteran trotzdem einige Lacher ein, die allerdings zunehmend schwächer wurden.

Den ersten Szenenapplaus erhielt der deutsche Regieveteran gleich zu Beginn, indem er seinen Film David Lynch widmete. Damit legte er sich die Latte allerdings doch eine Spur zu hoch.

Zumindest schräg wie bei Lynch sind auch die Figuren bei Herzog: Im Mittelpunkt seiner seltsamen Sittenkomödie stehen zwei Schwestern, die sich nicht nur sehr ähnlich sehen, sondern alles gemeinsam machen; tatsächlich sprechen sie sogar jeden Satz im Duett, was anfänglich für komische Effekte sorgt.

Kate und Mara Rooney – auch im wirklichen Leben Schwestern – verkörpern die beiden jungen Frauen Jean und Joan mit todernster Präzision. Ihre schwesterliche Liebe haben sie ihrem Nachbarn, amüsiert gespielt von Orlando Bloom, geschenkt. Doch nachdem dieser geheiratet hat, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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