
Ricardo Hausmann gilt als einer der weltweit führenden Wirtschaftswissenschaftler. Der Havard-Professor ist in Venezuela geboren und spricht aus, was viele seiner Landsleute denken. An US-Außenminister Marco Rubio gerichtet, schrieb Hausmann auf X: „Sie haben gerade jegliches Vertrauen verloren, das die Venezolaner je in Sie hatten. Und es wird Sie heimsuchen. Sie haben sich entschieden, die Macht der USA einzusetzen, nicht um die Venezolaner zu befreien, sondern um mit unseren Unterdrückern ins Bett zu gehen.“
Gemeint ist der spektakuläre Öl-Deal zwischen Washington und Caracas. Er soll den USA die Kontrolle über rund 20 Prozent der Ölvorkommen im ölreichsten Land der Erde garantieren. Volkswirtschaftlich ist das für die USA in Zeiten geopolitischer Unruhen ein echter Coup. Ethisch aber ist das Vorgehen der Trump-Administration hoch umstritten.
„Vermögensraub“
Hausmann spricht von einem „Vermögensraub“ und einem „verfassungswidrigen Deal mit einer illegitimen unterdrückerischen Regierung“. Anstatt die Führungsrolle der USA zu nutzen, um zuerst die verfassungsmäßige Ordnung und Demokratie wiederherzustellen und dann mit einer legitimen Regierung zu verhandeln, die zu gegebener Zeit glaubwürdige, langfristige Verpflichtungen hätte eingehen können.
Die venezolanische Opposition, die auf einen demokratischen Übergang gehofft hatte, ist vor den Kopf gestoßen. Der mit Abstand populärsten Politikerin des Landes, Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado, wird bis heute die Rückkehr nach Venezuela verweigert.
„Eine Schande“
Von Neuwahlen sprechen weder der Machtapparat um Interimspräsidentin Delcy Rodriguez noch Marco Rubio noch Donald Trump. Hausmann wirft Rubio zudem vor, die Rückkehr Machados, Neuwahlen und eine Hinwendung zur Demokratie gezielt sabotiert zu haben. „Eine Schande“, schließt Hausmann seinen Post ab.
Die große Gewinnerin heißt Delcy Rodriguez, die lange Jahre die Nummer zwei hinter Machthaber Nicolas Maduro war, der Anfang Jänner in einer spektakulären US-Militäroperation mit seiner Ehefrau verhaftet und in die USA gebracht wurde. Dort wird den beiden nun der Prozess gemacht. Der Vorwurf: „Drogen-Terrorismus“.
„Wir wollen eine Energiemacht sein, ein großer Erdölproduzent, ein bedeutender Gasexporteur und eine führende Kraft im Bereich der Petrochemie“, sagte Delcy Rodriguez in einer TV-Ansprache. Venezuela werde die Souveränität über seine Ölvorkommen behalten.
Die sozialistische Regierungspartei PUSV stellte sich in Caracas hinter die Maduro-Erbin. In einer Stellungnahme heißt es, die Partei stehe „geschlossen hinter Kameradin Delcy Rodriguez“. Ihrem Regime wird der Deal Milliarden in die Kasse spülen.
Oppositionspolitiker forderten in einer gemeinsamen Erklärung Transparenz: „Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um einen Vertrag von nationalem Interesse, und daher muss sie im Einklang mit unserer Verfassung betrachtet und behandelt werden.“
In Erklärungsnot geraten die Politiker aus Trumps republikanischer Partei in der Exil-Venezolaner-Hochburg Florida. Die Kongress-Abgeordnete Maria Elvira Salazar äußerte sich zunächst kritisch zum Deal, löschte ihren Post und kommentierte dann: Der Deal sei für beide Völker ein guter Handel, aber „Delcy ist die falsche Person, um diesen Deal zu machen.“
Source:: Kurier.at – Politik



