
Als Erzherzog Franz Ferdinand 1892/’93 eine Weltreise auf dem Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ unternahm, hatte Eduard Hodek jun. zwei Jobs: Er sollte die Exkursion des Thronfolgers fotografisch dokumentieren – und er musste die Tiere, die der notorisch jagdlustige Habsburger in großer Zahl erschoss, präparieren.
Die Doppelaufgabe, die den Mann zweifellos gut beschäftigt hielt, verdeutlicht die grundsätzliche Nähe der Fotografie zur Trophäenjagd – und zum Kriegsgeschäft.
In Fragen der Technologie wie auch bei den dahinter liegenden Motiven, vom Repräsentationswillen bis zum Interesse an unerforschten Gebieten, bewegen sich Kriegs- und Ausflugsschiffe in kommunizierenden Gefäßen.
Das Wiener Photoinstitut Bonartes erkundet historische Fotografien immer wieder abseits der Nostalgie in dieser medien- und mentalitätsgeschichtlichen Dimension. Bei der Schau „Kamera an Bord“ (bis 27. 11.) geht es nun um frühe Fotografie am Meer in einer Zeit, als Österreich-Ungarn noch einen Zugang besaß – und daraus ohne allzu ausgeprägte Bescheidenheit auch den Status ableitete, Seemacht zu sein.
Präsenz auf See
In mehreren Kapiteln erzählt die Fotoschau, die auf Beständen des Instituts wie auch auf das Bildarchiv der Nationalbibliothek sowie auf die Schätze privater Sammler aufbaut, von der Rolle der Fotografie in der Genese dieses marinen Selbst-Bilds.
Ein Album aus dem Jahr 1855 ist dabei das früheste Exponat: Es dokumentiert eine Fahrt des Erzherzogs Ferdinand Maximilian durch das Mittelmeer. Der ältere Bruder von Kaiser Franz Joseph I. wollte damit nicht nur touristische Ziele bereisen, sondern auch Präsenz am Meer zeigen – und wählte statt einer Jacht bewusst Kriegsschiffe als Transportmittel.
Die erhaltenen Bilder des Fotografen Franz Ludwig May zeigen auch die technischen Herausforderungen, die eine Kamera an Bord mit sich brachte: War ein scharfes Bild schon an Land schwer genug herzustellen, bedurfte es bei Seegang allerlei Tricks. Neben den langen Belichtungszeiten entpuppte sich die Ausarbeitung als Problem. Doch die Ausrüstung entwickelte sich, und um 1900 hatten viele Kriegsschiffe schon Dunkelkammern an Bord.
Fotografie diente auch der Kartographie und wurde genutzt, um Aufschluss über die Eigenschaften verschiedener Schiffsrumpf-Formen im Wasser zu erlangen. Immer wieder aber ging es um Imagebildung. Ein Kapitel der Schau widmet sich dabei Aufnahmen, die der Schweizer Charles Junod 1864 vor Helgoland anfertigte.
Mythos Tegetthoff
Boote der k. u. k. Marine unter dem Kommando von Wilhelm Tegetthoff waren damals der preußischen Marine in einer Auseinandersetzung zu Hilfe geeilt. Ein Feuergefecht scheint den Quellen zufolge nicht wirklich glorios verlaufen zu sein, doch es war der Grundstein für Tegetthoffs Karriere als Österreichs Seeheld: Das Denkmal am Wiener Praterstern erinnert heute noch an ihn.
Am Medien-Boulevard reüssierte indes der Graf Rudolf Festetics de Tolna, der 1892 die amerikanische Millionärstochter Eila Butterworth Haggin heiratete. Die transatlantische Romanze machte in der Presse Schlagzeilen, umso mehr, als das Paar eine Hochzeitsreise in die Südsee auf der eigens gebauten Jacht „Tolna“ unternahm und diese fotografisch dokumentierte. Da dem Grafen das Kapitänspatent in den USA verwehrt blieb, lenkte übrigens Eila das Schiff – als erste Kapitänin Amerikas.
Festetics’ Reisebericht, der unter dem reißerischen Titel „Chez les Cannibales“ („Bei den Kannibalen“) erschien, spielte dann aber völlig in die Hände des Exotik-Trends der Zeit und sparte nicht mit erfundenen Anekdoten und Details.
Wie Monika Faber, Institutsleiterin und Co-Kuratorin, in der …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



