Kickl „nicht der optimale Schwiegersohn, aber Parteichef“

Politik

Seit 2021 ist Herbert Kickl an der Spitze der Freiheitlichen, seit der Nationalratswahl 2024 ist seine Partei die stimmenstärkste im Nationalrat (28,9 Prozent), aber weiter in der Opposition.

Mit der FPÖ unter der Parteiobmannschaft Kickls zu koalieren, das kam der ÖVP unter Christian Stocker Anfang 2025 nur für wenige Wochen in den Sinn. Seither re(a)giert die türkis-rot-pinke Koalition mit einer „Brandmauer“ gegen Kickl. Der FPÖ schadet das bis dato nicht.

Auch die Nähe zu der rechtsextremen Bewegung der Identitären, die Kickl als „NGO von rechts“ bezeichnet und deren konnotierte Begriffe wie Remigration er und die FPÖ gerne verwenden, tun den Umfragewerten keinen Abbruch.

Es reicht – so gewinnt man den Eindruck –, wenn Kickl sich wie jüngst im oe24.tv-Interview insofern distanziert, als dass er „rote Linien“ benennt. („Wenn jemand sagt, er will die Demokratie abschaffen. Wenn jemand sagt, Politik muss mit den Mitteln der Gewalt gemacht werden“, dann sei die rote Linie überschritten.)

Laut APA-Wahltrend liegt die FPÖ mit 39  Prozent im September unangefochten auf dem ersten Platz; die ÖVP folgt mit 21 Prozent mit Respektabstand. Meinungsforscher und OGM-Chef Wolfgang Bachmayer macht drei Gründe aus, warum die FPÖ im Aufwind ist: die Koalition, die Krisen und die Sozialen Medien.

„ÖVP, SPÖ und Neos tauschen in der Dreierkoalition so gut wie alles ab und erinnern damit an den schlimmsten Proporz der Großen Koalition“, befindet Bachmayer.

Kritik am Kammerstaat gebe es beispielsweise nur mehr von der FPÖ und nicht mehr auch von den Neos. „Obwohl das ein Hauptversprechen der Pinken war, überlassen die Neos, die sich wie ÖVP und SPÖ in der Koalition teils verbiegen müssen, das Feld den Blauen.“

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Zudem würden die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen und weltweiten Krisenherde der FPÖ vor allem, weil sie auf der Oppositionsbank sitzt, zupass kommen. „Die FPÖ kann fordern, ohne liefern zu müssen.“

Lange Tradition auf Social Media

Zudem habe sie es – im Gegensatz zu allen anderen Parlamentsparteien – verstanden, die Sozialen Medien zu nutzen und eigene aufzubauen. „Die FPÖ profitiert wie keine andere Partei in Österreich von der veränderten Medienlandschaft“, sagt der OGM-Chef und verweist auf die lange Tradition der FPÖ auf Social Media.

Zur Erinnerung ein Beispiel: Die Facebook-Seite des damaligen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache hatte 2019 fast 800.000 Follower und damit einen unschätzbaren Wert für die Partei, um Wähler und Sympathisanten zu erreichen – weswegen sie nach einem Streit mit Strache schlussendlich stillgelegt wurde.

Mittlerweile bespielen die Blauen nicht nur alle Plattformen, eigenes Fernsehen (FPÖ TV) und Radio (Austria First Österreichs Patriotenradio). Sie schafften es Anfang 2026 sogar mit einem Lied („Immer vorwärts FPÖ“) der „John Otti Band feat. Herbert Kickl“ in die Charts.

„Systemmedien“ und „Systemparteien“

Kickl habe es, so Bachmayer, mit eben diesen Kanälen und steter Kritik an den Medien, die er „Systemmedien“ nennt wie die politischen Mitbewerber „Systemparteien“, geschafft, die eigene Wählerschaft bei der Stange zu halten.

Und der selbsternannte „Volkskanzler“ habe es als „permanenter Systemkritiker geschafft, genau bei jener Partei Stimmen abzuräumen, die die FPÖ zwei Mal vor die Tür gesetzt hat: die ÖVP“. Gemeint sind der Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition nach Ibiza und die Koalitionsgespräche im Jänner 2025.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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