Kann der Mega-Parteitag Trump retten?

Politik

Im American Football ist der „Hail Mary“-Pass der Moment, in dem die Zeit davonläuft und ein normaler Spielzug nicht mehr reicht, um das Spiel zu drehen: Der Quarterback wirft den Ball mit maximalem Risiko weit in die Endzone und hofft, dass dort einer seiner Fänger zugreift. Genau so wirkt die erste nationale „Midterm“-Convention, zu der die US-Republikaner am 9. und 10. September gut 30.000 Gäste nach Dallas einladen. Ein politischer Verzweiflungswurf mit Fernsehen, Flutlicht, Fahnen und sehr viel Donald Trump.

Der Präsident liebt solche Bühnen. Dort ist die Welt aller Wahrscheinlichkeit nach so, wie er sie am liebsten sieht: rote Maga-Kappen, Applaus und ein Publikum, das nicht hinterfragt, ob die ersten 20 Monate seiner Präsidentschaft nicht doch eher Flop als Top gewesen sein könnten.

„Historischer Parteitag“

Im American Airlines Center bekommt er nun eine Bühne, die es bei den Republikanern so noch nicht gab: keinen Nominierungsparteitag, wie er alle vier Jahre in Präsidentschaftswahlzyklen stattfindet, sondern eine zweitägige Leistungsschau mit über 100 Rednerinnen und Rednern knapp acht Wochen vor den Kongresswahlen am 3. November, die ihm im Falle einer republikanischen Erdrutsch-Niederlage ein politisches Schleudertrauma bescheren könnten. Trump nennt das Unternehmen (Kostenpunkt: über 40 Millionen Dollar) „historisch“. Parteichef Joe Gruters hat schon den passenderen Namen geliefert: „Trumpapalooza“; in Anlehnung an das von Trump-Gegner Perry Farrell aus der Taufe gehobene Musikfestival Lollapalooza.

Gefeiert werden sollen die Errungenschaften der zweiten Trump-Präsidentschaft: Steuersenkungen, Grenzsicherung, Steuerfreiheit von Überstunden, Medikamentenpreise, die Kinder-Konten und vieles mehr. Vor allem aber soll Dallas etwas erzeugen, das Republikaner im Spätsommer 2026 dringend brauchen: Wind unter den Flügeln.

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Trump nur mehr in drei Bundesstaaten beliebt

Der Hail-Mary-Pass hat einen Grund. „Midterms“ sind für die Partei des Präsidenten fast immer unangenehm. Dieses Mal ist das Problem noch gewaltiger. Trumps Republikaner verteidigen knappe Mehrheiten in beiden Häusern des Kongresses, während der Präsident in den Umfragen bei frostigen Tieftemperaturen von nur noch unter 35 Prozent Zustimmung dümpelt; quer durch alle Wählerschichten. Nur in drei von 50 Bundesstaaten (Wyoming, Idaho und West Virginia) hält man noch Stücke auf ihn. Aber unter registrierten Wählern lagen die Demokraten beim landesweiten Kongress-Stimmzettel fünf Punkte vorn.

Noch unangenehmer für eine Partei, die sich gern als Garant wirtschaftlicher Vernunft verkauft: Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren trauten in derselben Erhebung mehr Amerikaner den Demokraten als den Republikanern den besseren Umgang mit der Wirtschaft zu. Besonders unter parteiunabhängigen Wählern, die enge Rennen entscheiden, hat die „Grand Old Party“ (GOP) massiv an Boden verloren.

Knackpunkt Lebenshaltungskosten

Der Grund liegt weniger in Washingtoner Ideologie als im Supermarkt, an der Tankstelle und auf der Kreditkartenabrechnung. Trump war 2024 vor allem ins Weiße Haus zurückgekehrt, weil er versprach, nach Joe Biden die Lebenshaltungskosten zu drücken. Viele Amerikaner empfinden ihre Lage aber heute als noch schlechter. In einer aktuellen Umfrage der „Financial Times“ sagten 53 Prozent, sie stünden finanziell schlechter da als zu Beginn seiner zweiten Amtszeit; unter Unabhängigen waren es 57 Prozent. Fast zwei Drittel missbilligten Trumps Anti-Inflations-Politik. Dallas gilt daher parteiintern als „Rettungsmission“, als letzte große Möglichkeit, den Wahlkampf neu zu starten.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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