Thurnher will den ORF „digital entfesseln“

Kultur

Mehr Spielraum für den ORF im Digitalen, eine verlässliche Finanzierung und ein stärkeres Miteinander mit den privaten Medien: Mit diesen Vorstellungen geht die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher in das am Donnerstag beginnende ORF-Zukunftsforum von Medienminister Andreas Babler (SPÖ). In einem Pressegespräch machte sie am Dienstag deutlich, dass sie die geplante Reform als Chance für eine Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks versteht. Die zentrale Frage sei: „Was brauchen wir vom Gesetzgeber, um ein modernes Public-Service-Unternehmen sein zu dürfen?“

Drei Themenkomplexe will der ORF in den Mittelpunkt stellen: die programmliche, technologische und finanzielle Zukunftsfähigkeit. Beim Programm gehe es darum, den öffentlich-rechtlichen Auftrag zeitgemäß interpretieren zu können. „Wir sind einem Stakeholder verpflichtet: unserem Publikum“, sagte Thurnher. Für die Haushaltsabgabe wolle man den Menschen möglichst viel bieten – und zwar auf allen Kanälen, die für sie relevant seien. Der ORF brauche eine „Stärkung und nicht Beschneidung unseres Auftrags“.

Weihnachtswunder

Viele Menschen verstünden nicht, warum ORF-Inhalte nur eingeschränkt angeboten werden dürften, meinte sie. Als Beispiel nannte Thurnher das „Ö3-Weihnachtswunder“. Das beliebte Radioformat könne nicht zusätzlich im Fernsehen ausgespielt werden. „Niemand versteht das. Und es ist nicht im Sinne unseres Publikums“, sagte Thurnher.

Ebenso verstehe sie nicht, das bereits produzierte Inhalte nach bestimmten Fristen wieder aus den ORF-Plattformen verschwinden müssten. Die Mediennutzung habe sich seit Einführung dieser Regeln fundamental verändert.

Der ORF verfüge auch über umfangreiches Archivmaterial, zum Beispiel von der soeben verstorbenen Schauspielerin Erni Mangold, das man durch enge gesetzliche Vorgaben nicht zur Verfügung stellen könne. Das sei „total anachronistisch“.

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Auch für junge Zielgruppen müsse der ORF neue Angebote dort ausspielen dürfen, „wo sie sind“. Das sei „eine der allerwichtigsten Aufgaben“. Thurnher fordert eine Aktualisierung des Online-Auftrags sowie mehr Spielraum bei Online-only-Angeboten, der Aggregation von Inhalten und der Kommunikation mit dem Publikum. Mehr digitale Freiheit könnte nach Thurnhers Vorstellungen zugleich neue Kooperationen mit privaten Medien ermöglichen. Der ORF wolle „Infrastrukturpartner des gesamten österreichischen Medienstandorts“ sein. Denkbar seien neben Kooperationen bei Sportrechten auch gemeinsame Initiativen bei KI, Podcasts oder Werbung. Auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Zeitungen deutete Thurnher an.

ORF.at wieder Thema

Kürzlich kamen vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hingegen Signale, dass der ORF eingeschränkt werden müsse. Im Interview mit dem Standard forderte der neue VÖZ-Präsident Rainer Nowak, dass sich der ORF auf seine „Kernkompetenzen“ Video und Audio besinnen solle, insbesondere bei ORF.at. „In Konkurrenz zur blauen Seite tun sich private Medien schwer, Digitalabos zu verkaufen“, sagte Nowak. „Wir glauben, dass es da Beschränkungen geben muss.“

Eine Schwächung des ORF zugunsten privater Medien lehnt Thurnher ab. „Die Rechnung, ein geschwächter ORF bedeutet einen gestärkten privaten Mediensektor, die machen wir nicht mit“, sagte sie. Davon würden letztlich nur internationale Plattformen profitieren. „Ich würde lieber eine Vorwärtsstrategie mit den Privaten sehen als eine Abwärtsstrategie“, sagte Thurnher.

Über allem steht für die ORF-Chefin die Finanzierung. Der „intensive Sparkurs“ werde fortgesetzt. Um garantieren zu können, die Beiträge sparsam und effizient einzusetzen, brauche es Planungssicherheit. Die Politik müsse verhindern, dass die finanzielle Basis für den öffentlich-rechtlichen Auftrag erheblich gekürzt werde. Eine verfassungsrechtliche Absicherung des ORF-Beitrags hält Thurnher grundsätzlich für wünschenswert. Politische Szenarien, in denen der Beitrag neuerlich unter Druck geraten könnte, seien …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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