Brisante Pleite des Finanzdienstleisters eines bekannten Investors

Wirtschaft

Die Hauptursachen für die Liquiditätskrise sind „verzögerte Forderungseingänge und Rückzahlungen“, das heißt „offene Forderungen wurden nicht rechtzeitig beglichen und Rückzahlungen von Gruppengesellschaften blieben aus oder verzögerten sich“. Dazu kamen „projektbezogene Bürgschafts- und Zahlerhaftungen“, so wurde „das Unternehmen aus Haftungspositionen in Anspruch genommen und obwohl keine eigenen Bankkredite bestehen, es musste für andere haften“. Außerdem ist „die finanzielle Forderungs- und Schulden-Lage durch noch nicht abgeschlossene Jahresabschluss- und Abstimmungsarbeiten“ unklar.

Die LILIHILL Financial Services GmbH, eine Finanz- und Steuerungsgesellschaft mit Sitz in Wien-Favoriten, hat laut Creditreform beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen, das als Dienstleister innerhalb der LILIHILL-Gruppe von Franz Peter Orasch tätig war, bietet seinen Gläubigern eine Quote von 100 Prozent binnen 90 Tagen an.

Laut Insolvenzantrag belaufen sich die Forderungen auf rund 186.500 Euro. Zu den Gläubigern zählen unter anderem Mitarbeiter mit offenen Gehaltsforderungen von 51.500 Euro, die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) mit 30.600 Euro sowie das Finanzamt Wien mit knapp 66.000 Euro. Hinzu kommen Exekutionsforderungen und offene Beratungsleistungen.

Gesellschafterzuschuss als Rettungsanker

Die angekündigte Vollzahlung hängt allerdings maßgeblich von einem Gesellschafterzuschuss in Höhe von 121.000 Euro ab. Ohne diesen Zufluss würde sich nach eigenen Angaben des Unternehmens ein Fehlbetrag von rund 109.000 Euro ergeben. Im Insolvenzantrag wird explizit eine „unwiderrufliche Finanzierungszusage samt Nachweis der Leistungsfähigkeit“ gefordert.

Weitere Mittel sollen aus der Einbringung bestehender Forderungen kommen, darunter 76.000 Euro von der Gruppengesellschaft LILIHILL Capital Group sowie knapp 25.000 Euro aus Rückzahlungen von Dienstnehmerüberzahlungen. Auch diese Position ist für die Planerfüllung kritisch: Ohne die Mitarbeiterrückzahlungen fehlten weitere rund 12.700 Euro.

  Analyse: Diese Stadt ist Österreichs teuerstes Pflaster für Eigentumswohnungen

Haftungspositionen

Eine Besonderheit des Falls: Die LILIHILL Financial Services hat nach eigenen Angaben keine eigenen Bankverbindlichkeiten oder laufenden Kreditverträge. Die Liquiditätskrise beruht laut Antrag, wie oben ausgeführt, auf „verzögerten Forderungseingängen, einzelnen Haftungspositionen, Steuer- und Abgabenpositionen sowie exekutiv geltend gemachten Forderungen“. Details zu den erwähnten Bürgschafts- und Zahlerhaftungen werden im Antrag nicht näher ausgeführt.

Geordnete Abwicklung statt Fortführung

Das Unternehmen hat seine Gewerbeberechtigung bereits zurückgelegt und stellt die operative Tätigkeit mit Ende 2026 ein. Spätestens Ende 2026 sollen alle Dienstverhältnisse beendet sein, ab Jänner 2027 werden keine Arbeitnehmer mehr beschäftigt. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, geht aus dem Antrag nicht hervor.

Die Geschäftsführung unter Franz Peter Orasch soll in Eigenverwaltung unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sanierungsverwalters die geordnete Abwicklung durchführen. Dazu gehören die Einbringung offener Forderungen, die Verwaltung von Haftungspositionen und die Erfüllung des Sanierungsplans.

Mysteriöse Millionenforderung bleibt außen vor

Bemerkenswert ist eine im Antrag erwähnte „zusätzliche Rückzahlungs- und Kompensationsforderung“ in Höhe von 11,268 Millionen Euro. Diese wird „aus Vorsichtsgründen“ nicht zur Finanzierung des Sanierungsplans herangezogen und „wird nur nach gesondertem Nachweis von Rechtsgrund, Bestand, Fälligkeit und Einbringlichkeit geltend gemacht“. Gegen wen sich die Forderung richtet und welchen Rechtsgrund sie hat, bleibt unklar. 

Der Gesamtliquiditätsbedarf für die Abwicklung wird mit knapp 247.000 Euro beziffert, dem stehen geplante Mittelzuflüsse von rund 259.000 Euro gegenüber. Nach vollständiger Quotenzahlung und Deckung aller Abwicklungskosten soll eine Liquiditätsreserve von gut 12.000 Euro verbleiben.

Ob das Handelsgericht Wien dem Antrag auf Eigenverwaltung stattgibt und die Gläubiger dem Sanierungsplan zustimmen, ist offen.

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.