Wehrlos gemacht: Wenn Männer Frauen betäuben und missbrauchen

Politik

Eine 40-jährige Frau stirbt im Juni in ihrem Haus in Marchtrenk in Oberösterreich auf grausame Weise. Was zunächst als „Sex-Unfall“ dargestellt wird, entwickelt sich im Laufe der Ermittlungen zu einem erschütternden Kriminalfall. Der Ehemann steht nun im Verdacht, sie sexuell missbraucht und ihr dabei tödliche Verletzungen zugefügt zu haben. Inzwischen sitzt ein zweiter Mann in Untersuchungshaft, der sich ebenso an diesem Tag an der stark alkoholisierten, wehrlosen Frau vergangen haben soll. Ein dritter Mann hätte ebenso mitmachen sollen, er ist aber nicht aufgetaucht. Chats, die auf dem Handy des Ehemanns gefunden wurden, deuten laut einem Bericht der Kronen Zeitung zudem darauf hin, dass der mutmaßliche Haupttäter seine Frau mit weiteren Substanzen neben Alkohol betäubt habe. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft bisher noch nicht bestätigt.

Der Verdacht erinnert jedoch an ein Phänomen, das seit dem Fall Pelicot im Herbst 2024 weltweit sichtbar geworden ist: chemische Unterwerfung. Der Begriff „K.o.-Tropfen“ greift dafür zu kurz. Denn es gibt über 200 Substanzen, die – neben Alkohol – dafür genutzt werden können. Täter verwenden Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, Industriereiniger oder illegale Drogen. Chemische Unterwerfung findet nicht nur im Nachtlokal statt, wo ein Fremder einer Frau heimlich etwas ins Glas schüttet. Täter sind auch Ehemänner, die Verbrechen passieren im eigenen Schlafzimmer. Die bisher bekannt gewordenen Taten in Österreich und anderen Ländern zeigen, dass Dominique Pelicot kein Einzelfall ist. Er betäubte seine damalige Ehefrau Gisèle über Jahre mit Medikamenten und ließ mindestens 50 fremde Männer die bewusstlose Frau vergewaltigen.

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Die Netzwerke

Internationale Recherchen u. a. von CNN haben in den Jahren 2025 und 2026 Vergewaltigungsnetzwerke aufgedeckt, also Chatgruppen mit Zehntausenden Männern, die sich online über das Betäuben und Vergewaltigen ihrer Partnerinnen austauschen. Sie filmen ihre Taten, schicken einander die Aufnahmen, geben sich Tipps und bestärken sich gegenseitig. Immer mehr Fälle dieser chemischen Unterwerfung innerhalb der Partnerschaft landen vor Gericht, auch in Österreich:

Am 1. September 2026 wurde ein 43-jähriger Mann in Wien wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt. Er soll seiner Lebensgefährtin heimlich das ihm verschriebene Schlafmittel Zoldem in eine Tasse Tee gemischt haben, nachdem sie sexuelle Annäherungen zuvor abgelehnt hatte.
Im April 2026 wird ein 44-Jähriger in Tirol in Untersuchungshaft genommen. Er soll seiner Lebensgefährtin wiederholt betäubende Substanzen verabreicht und sie anschließend vergewaltigt haben. Es könnte noch mehrere Opfer geben. Umfangreiche Datenträger wurden sichergestellt.
Ein 42-jähriger Mann wurde im September 2025 am Landesgericht Korneuburg zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er seine damalige Partnerin und Mutter seiner Kinder mit Schlafmitteln betäubt und vergewaltigt hatte. Der Täter filmte die Missbräuche und teilte sie mit einem deutschen Chatpartner, den er in einem Vergewaltigernetzwerk kennengelernt hatte.

Diese Netzwerke haben in Österreich eine Gesetzeslücke offenbart: Der Besitz von Vergewaltigungsaufnahmen ist derzeit nicht als eigener Straftatbestand erfasst. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) will das ändern. „Dass diese Schutzlücke erst jetzt geschlossen werden soll, ist aus Opferschutzsicht schwer nachvollziehbar“, sagt Anwältin Sonja Aziz, die das Opfer im Korneuburger Fall vertreten hat. Eine Vergewaltigungsaufnahme sei kein gewöhnliches pornografisches Material, sondern „die Dokumentation realer sexualisierter Gewalt an einem realen Menschen. Die Tat bekommt dadurch ein digitales Nachleben. Wenn solche Aufnahmen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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