
Im Happel-Stadion geben Popstars den Ton an. Nur hin und wieder rollt – wie am 27. 9. gegen Kosovo – dort noch der Fußball. Nur selten lockt Wien mit internationalen Sportereignissen à la City-Marathon, für den es keine tolle Sportstätte, sondern bloß abgesperrte Straßen benötigt. Ab Freitag aber ist erstmals nach 18 Jahren in der Hauptstadt Daviscup-Cup-Time. Wenn gegen Belgien der Einzug ins Tennis-Finalturnier angepeilt wird. Schauplatz ist der geschichtsträchtige WAC-Platz im Prater …
… wo das erste Fußball-Länderspiel im Oktober 1902 mit 5:0 gegen Ungarn endete;
… wo im letzten Match vor dem Kriegsende am Ostermontag 1945 bei eindeutigem Spielstand (WAC – Austria 6:0) noch über einen Elfer gestritten wurde, während der Himmel über dem südlichen Stadtrand Wiens schon rot gefärbt war von sowjetischem Granatfeuer;
… und wo im Mai ’72 die junge Rapid-Leihgabe Hans Krankl in der zweithöchsten Spielklasse acht Tore beim 9:2 gegen Hinteregger erzielte.
Ein Jahr später stürmte Krankl wieder für Rapid. Während der WAC mit Austria zunächst fusioniert und letztlich von ihr geschluckt wurde. Fortan schätzten Austria-Granden den WAC-Platz wegen ihres privaten Hobbys. 1977 vom legendären Klubboss Joschi Walter als Austria-Montag-Partie gegründet, wurde in ihr auch vom späteren Kanzler Wolfgang Schüssel und vom späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer (obwohl Rapid-affin) Tennis gespielt.
So wie das inzwischen beim WAC längst Herbert Prohaska, Ex-ORF-Sportchef Hans Huber und auch rüstige 80er mit Rapid-Vergangenheit wie Gustl Starek (mit Nürnberg und Bayern Meister) und Franz Hasil (Europapokalsieger mit Feyenoord) tun.
Die Fußball-Altstars dürfen beim WAC auch in der Daviscup-Woche mit ihrem unüberhörbaren Ehrgeiz auf die Filzkugel dreschen, zumal der Centrecourt nicht auf einem der 22 Tennisplätze, sondern – umrahmt von 5.000 Zuschauer fassenden mobilen Tribünen – auf dem Fußball-Feld entsteht, indem man roten Sand über grünem Gras platziert. Darauf hoffend, dass auch Petrus in Form ist. Womit Wiens Sportpolitik Stellungnahmen auf die Frage erspart bliebe, warum nicht gleich unterm Dach der neuen Sportarena gespielt werde.
So wie die UEFA im 95 Jahre alten Happel-Stadion keine Fußball-Europacup-Finalspiele mehr zulässt, verbieten die internationalen Auflagen Daviscup-Spiele in der erst im Vorjahr eröffneten Halle. Die 115 Millionen-Euro-Arena ist um einige Dezimeter zu niedrig.
Source:: Kurier.at – Sport



