Favoriten des Filmfestivals in Venedig: Am Ende ein bisschen Licht

Kultur

Das Filmfestival in Venedig versteht sich gerne als Startrampe für die Oscarsaison. Auch heuer wieder fanden sich im diesjährigen Programm, das mit der Verleihung der Goldenen Löwen zu Ende geht, einige Favoriten für den amerikanischen Höchstpreis. Gleich zu Beginn begeisterte die schwarzhumorige, aber zutiefst melancholische Agentensatire „Wild Horse Nine“ von dem irischen Dramatiker und Regisseur Martin McDonagh mit politischer Resonanz und schauspielerischer Exzellenz. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Militärputsches in Chile 1973 schleppt sich John Malkovich als weltenmüder CIA-Agent durch die Schönheit der Natur auf der Osterinsel und resümiert über den fatalen politischen Einfluss amerikanischer Geheimdienste. Sekundiert von Sam Rockwell als seinem loyalen Kollegen empfiehlt sich Malkovich mit seinem komisch-ironischen, aber tief empfundenen Spiel als veritabler Preiskandidat.

Ein weiteres Highlight in Venedig, dessen Strahlkraft über den Rahmen des Festivals Richtung Oscar hinaus leuchtet, ist das Klassendrama „Possible Love“ von Lee Chang-dong, offizieller Oscarbeitrag Südkoreas. Mit stilsicherer Hand skizziert Lee die fragile Begegnung zwischen einem Arbeiter- und einem Wohlstandspärchen. Die Freundschaft zwischen den beiden Frauen will gesellschaftliche Unterschiede überwinden, doch drängen unterschwellige Gefühle wie Klassendünkel und verdeckte Begehrlichkeiten beharrlich an die Oberfläche.

Tech-Milliardär im Bunkder

Wie gut ein Film ankommt, lässt sich auch an den Längen der Standing Ovations abmessen. Florian Zellers Kammerspiel „Bunker“ punktete beim Publikum mit zeitdiagnostischen Thriller-Elementen und stellte das spanische Star-Ehepaar Penélope Cruz und Javier Bardem in die Auslage. Bardem spielt darin einen renommierten Architekten, der für einen Superreichen einen Survival-Bunker in Hawaii graben soll, während sich Cruz als seine Ehefrau vehement dagegen wehrt. Bei der Premiere stand das Filmteam mit einer schluchzenden Cruz an der Seite von Bardem fünfzehn lange Minuten im Regen des begeisterten Applauses.

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Der Einfluss von Tech-Milliardären, wie er in „Bunker“ anklingt, manifestierte sich übrigens auch in der vierstündigen Doku „Musk“ über Tesla-Besitzer Elon Musk; die Mediensatire „Ink“ von Danny Boyle wiederum dokumentierte mit Punk-Attitüde den Aufstieg des englischen Boulevardblatts „The Sun“ unter Medienmogul Rupert Murdoch und dessen rechtspopulistischen Einfluss.

Noch größerer Euphorie als „Bunker“ schlug der Doku „NAZA“ von Yuval Abraham und Rachel Szor entgegen. Gemeinsam mit Investigativjournalisten der britischen Zeitung The Guardian blicken die Filmemacher hinter die Kulissen der israelischen Kriegsführung gegen die Hamas. Mit „NAZA“ sind im militärischen Jargon „Kollateralschäden“, also zivile Opfer, gemeint. Laut den anonymisierten Berichten von 24 israelischen Geheimoffizieren und Soldaten, die über den Dächern der nächtlichen Tel Aviv in „NAZA“ interviewt werden, handelt es sich dabei um KI-gestützte, systematische Tötung von palästinensischen Zivilisten. Bei seiner Premiere wurde „NAZA“ mit einem 25-minütigen Applaus belohnt – dem längsten des gesamten Festivals.

Eineinhalb Frauen

Schon zu Beginn hatte die amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal als diesjährige Präsidentin der Preisjury bemängelt, dass von den 21 Premieren im Wettbewerb nur „eineinhalb“ Filme von Frauen stammen. Neben „NAZA“ unter der Ko-Regie von Rachel Szor lief nur noch ein von weiblicher Hand gedrehter Film im Hauptprogramm.

Das Historiendrama „Woman Unknown“ der dänisch-ägyptischen Regisseurin May el-Toukhy stieß auf viel positive Resonanz und beobachtet in nüchternem Erzählstil die Routinen eines dänischen Hausmädchens namens Marie. Der Zweite Weltkrieg ging gerade zu Ende, und in aufgeheizter Stimmung wird nach Rache an Nazi-Kollaborateuren gesucht. Frauen, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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