Der ÖFB hat keine Dribbler? Warum das nicht stimmt

Sport

Lamine Yamal braucht nicht viel Raum. Der Ball am Fuß, ein Verteidiger vor sich. Jetzt beginnt jene Form des Fußballs, die einfach aussieht und doch so schwer zu beherrschen ist: Das Dribbling.

In der Saison 2025/’26 ging Yamal 243-mal ins Dribbling, 133-mal war er erfolgreich. Pro 90 Minuten waren das 9,7 Versuche und 5,3 erfolgreiche Dribblings. 110-mal scheiterte er – und suchte trotzdem das nächste Duell.

Und wo sind Österreichs Flügel? Eine Auswertung zeigt: Fünf österreichische U23-Spieler mit mehr als 900 Einsatzminuten kamen in der Bundesliga-Saison 2025/’26 auf gerundet 1,9 oder mehr erfolgreiche Dribblings pro 90 Minuten: Fabian Rossdorfer, Sanel Saljic, Jacob Hödl, Nicolas Bajlicz und Nikolaus Wurmbrand.

Im internationalen Vergleich ist die Bundesliga nicht arm an Dribblings: Ihre zehn Besten liegen mit durchschnittlich 2,36 erfolgreichen Dribblings pro 90 Minuten fast gleichauf mit Dänemark, vor Belgien und Kroatien, aber hinter der Schweiz.

Der Druck hilft nicht

Österreich bildet offenbar nicht zu wenige Dribbler aus. Es macht nur zu selten Flügelstürmer aus ihnen. Das hängt mit dem Ergebnisdruck zusammen. In der Zwölferliga reichen wenige Niederlagen, um Abstiegsangst auszulösen. Bei sieben Klubs kam es während der Saison zu einem Trainerwechsel. Wer um seinen Job spielt, entwickelt selten. Er sucht Lösungen fürs nächste Spiel.

Daher suchen Trainer Kontrolle – etwa in einer Dreierkette, die in der Defensive zur Fünferkette wird. Das bedeutet weniger Flügelpositionen. Acht der zwölf Klubs spielten 2025/’26 meist mit solchen Formationen. Wo klassische Flügelstürmer spielen könnten, stehen sogenannte Wingbacks.

Neben Positionen geht es auch um die Idee mit Ball. Österreichs Fußball definiert sich stark über Pressing. Der französische Flügelstürmer Kingsley Coman erzählte, wie Pep Guardiola beim FC Bayern im Ballbesitz dachte: Das Spiel sei darauf ausgerichtet gewesen, die Flügelspieler ins Eins-gegen-eins zu bringen. Dort sollen sie den Unterschied machen. Das Dribbling wurde also nicht nur erlaubt, sondern vorbereitet.

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Nun stellt sich die Frage: Spielen Österreichs Vereine ohne Flügelstürmer, weil keine nachkommen – oder kommen keine nach, weil Systeme kaum Platz für sie bieten?

Wahrscheinlich verstärkt sich beides: Die Trainer reagieren auf ihr Personal, die Ausbildung auf den Bedarf der Profis. Was oben pragmatisch beginnt, prägt unten die Ausbildung.

Beispiel Hödl

Das Beispiel von Sturms Jacob Hödl zeigt, wie eine Grundordnung einen Spieler formen kann. Er löst Gegnerdruck mit Dynamik und Power und trägt den Ball durch enge Räume. Im Eins-gegen-eins nutzt er allerdings weniger jene Finten, die man mit einem klassischen Flügelspieler verbindet.

Warum? Weil Flügelstürmer im Sturm-Nachwuchs nicht gefördert werden. Der Verein setzt seit Jahren durchgehend auf ein System mit einer Mittelfeldraute. Sie beinhaltet viele zentrale Rollen, aber keine klassischen Flügelpositionen. Ich behaupte: Wäre Hödl über Jahre als Flügel gefördert worden, wäre sein Wert noch deutlich höher. Denn Fakt ist: Im Ranking der acht wertvollsten Fußballer spielen fünf am Flügel.

Österreich fehlen nicht die Dribbler. Entscheidend ist, ob sie überhaupt – und lange genug – dribbeln dürfen, bevor Systeme sie zu anderen Spielertypen machen.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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