Erfindergeist, der Möbel bewegt: Diese Firma hält 2.100 Patente

Wirtschaft

Wenn Simon Grabherr, Leiter der Produktentwicklung bei der Julius Blum GmbH, in ein Hotelzimmer kommt, schaut er sich automatisch alle Möbelbeschläge an, um zu sehen, welche Produkte hier verbaut wurden. „Das ist schon ein richtiger Spleen von mir“, erzählt Grabherr dem KURIER, aber auch Konkurrenzbeobachtung.

 Denn was bei den meisten Möbeln kaum jemand sieht, ist beim Vorarlberger Unternehmen das eigentliche Geschäft: die Technik dahinter. Scharniere, Schubladenauszüge, Klappen- und Öffnungssysteme sorgen dafür, dass Schränke leicht aufgehen, Schubladen sanft schließen und selbst schwere Fronten nahezu mühelos bewegt werden können. Blum hat daraus ein international erfolgreiches Geschäft gemacht – und ist mit seiner Patentflut einer der innovativsten Betriebe Österreichs.

2.100 Patente erteilt

Weltweit verfügt das Unternehmen mittlerweile über mehr als 2.100 erteilte Patente. „Jedes Jahr kommen bei uns 60 bis 80 Patente dazu“, erzählt Grabherr. Am Schluss seien es immer mehrere einzelne Patente, die den Patentschutz um ein Produkt ausmachten. Eine der wohl bekanntesten Vorarlberger Erfindungen revolutionierte vor 25 Jahren die Möbelbranche. 

Das Dämpfungssystem „Blumotion“ sorgt dafür, dass sich Schubladen, Türen und Klappen sanft und leise schließen. „Wir beobachteten, dass Türe und Schubladen oft sehr hart und laut zugeschlagen wurden. Die Vision war, nicht nur einen Dämpfer zu entwickeln, sondern den Bewegungskomfort grundlegend zu verbessern“, erzählt Grabherr.

Flexible Dämpfung

Aus der Idee entstand ein geniales hydraulisch-mechanischen Wirkprinzip, das die Bremswirkung an die Bewegung anpasst. Die Dämpfer funktionieren bei einer leichten Badezimmertüre genauso wie bei einer schweren Küchenfront. „Die jeweilige Anpassungsfähigkeit an die Anwendung setzte ganz klar weltweit die Standards“, sagt Grabherr. 

  Bittere zweite Millionenpleite eines bekannten Anlagenbauers

Ein modernes Clip-top-Blumotion-Scharnier besteht aus fast 60 präzise aufeinander abgestimmten Einzelteilen. Vom Scharniersystem wurde Blumotion nach und nach ins gesamte Blum-Portfolio übernommen und ist heute in vielen Möbelstücken fix integriert. Für die Erfindung erhielt Blum 2013 den begehrten „European Inventor Award“ des Europäischen Patentamts.

Blumotion wird bis heute weiterentwickelt. So lassen sich mit Tip-On-Blumotion ganz ohne Strom grifflose Fronten mit einem kurzen Antippen öffnen und schließen. „Das geht auch mit dem Knie, etwa wenn die Hände schmutzig sind. Da werden zwei Funktionen zu einer zusammengeführt“, erläutert Grabherr.

Ein Ende bei neuen Patenten rund um die Bedienung von Schubladen, Türen oder Klappen ist nicht in Sicht. Zunehmende Automatisierung und Robotik verändert etwa die Art und Weise, wie Küchen gebaut werden. Ein Roboter hat in einer Küche andere Bedürfnisse als ein Mensch und braucht daher eine andere Unterstützung.

Es begann mit Hufstollen

Als der gelernte Huf- und Wagenschmied Julius Blum 1952 in Höchst sein Unternehmen gründete, dachte wohl niemand an einen Weltkonzern. Alles begann mit Hufstollen für Pferde, kleine Metallteile, die den Tieren auf glatten Untergrund Halt geben sollten. 1958 stellte Blum seinen ersten Möbelbeschlag her, in den 1960er-Jahren folgten das erste eigene verdeckte Scharnier und somit der Einstieg in die Produktion von Schubladenführungen. 

Heute ist Blum ein weltweit führender Anbieter von Möbelbeschlägen und Bewegungssystemen. Es werden nicht nur die Produkte selbst entwickelt, sondern auch die Werkzeuge und Maschinen für deren Herstellung. Die Kunden sind Möbelhersteller, Küchenproduzenten, Tischler und Händler.

10.000 Beschäftigte weltweit

Blum beschäftigt heute weltweit knapp 10.000 Mitarbeiter, davon 6.760 in Vorarlberg, wo sich inklusive der Zentrale in Höchst acht Werke und das Entwicklungs- und Kompetenzzentrum …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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