Die Geduld der beiden Flughafen-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger mit der heimischen Regierung hat ein Ende. Sie appellierten dringend an die Bundesregierung, die umstrittene Ticketsteuer spürbar zu senken oder zumindest zu halbieren.
Die Airport-Chefs schilderten mit drastischen Worten im Klub der Wirtschaftspublizisten die Konsequenzen, wenn weiterhin nichts geschieht. Die Zahl der Passagiere werde sich heuer um zwei Millionen reduzieren. Österreich habe mit 12 Euro pro Ticket die dritthöchste Flugabgabe in Europa. Alleine im August sank die Zahl der Passagiere um knapp 7 Prozent auf 3,17 Millionen Fluggäste.
„Dass es auch anders geht, zeigen unsere Töchter“, sagte Jäger. Der Flughafen Malta zählte um 15 Prozent mehr Passagiere, Kosice hat ein Wachstum von mehr als 40 Prozent.
Den Flughafen trifft vor allem der Rückzug der Billig-Airlines. Wizz fliegt Wien überhaupt nicht mehr an, Ryanair hat stark reduziert.
„Mehr Pragmatismus, weniger Ideologie“
„Die österreichische Politik sollte Luftfahrt als das erkennen, wie sie in der Welt gesehen wird – als Wohlstands- und Wachstumsbringer“, sagt Jäger. „Wir brauchen nicht nur in der Luftfahrtpolitik, sondern auch in der Wirtschaftspolitik mehr Pragmatismus und weniger Ideologie“, betont Ofner.
Jäger rechnete vor, dass eine Halbierung für den Finanzminister in seiner angespannten Budgetsituation kein Verlustgeschäft wäre, sondern den Steuerentfall ausgleichen würde.
2026 kassiert Markus Marterbauer aus der Ticketsteuer rund 170 Millionen Euro. Eine Halbierung würde eine Million Passagiere zurück und dem Finanzminister rund 80 Millionen an Umwegrentabilität bringen.
Der Tourismus würde mit 800 Vollzeit-Jobs und 50 Millionen an Einnahmen profitieren. Die zusätzlichen Passagiere brächten eine höhere Kurtaxe, zusätzlichen Sozialabgaben von geschätzten 20 Millionen Euro und 24 Millionen Umsatzsteuer.
Aber nicht nur die Low-Cost-Carrier reagierten auf die Ticketsteuer. Die AUA stehe unter starkem Druck der Lufthansa, „Es kann passieren, dass die Lufthansa am Standort Österreich nicht mehr investiert“. Der Flughafen Wien müsse im Wettbewerb „bei den Preisen besser sein, bei der Qualität und bei den Rahmenbedingungen. Nur dann hat dieser Hub eine Zukunft“ (Ofner & Jäger).
Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) hat aus dem Budget 30 Millionen Euro für die Luftfahrt zugesagt. Das entspräche pro Ticket lediglich 1,50 Euro. „Ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber zu wenig“ meinen die beiden Top-Manager und fordern die Regierung auf, die Budgetmittel in den nächsten Wochen deutlich aufzustocken. Aber es sei schon erfreulich, dass sich unter Hanke die Feindseligkeit gegenüber der Luftfahrt in ein positives Klima gewandelt hab.
„VölligesFisako“
Doch Ofner warnt außerdem dringend davor, den Green Deal der EU unverändert zu übernehmen. Er rechnet mit einer Erhöhung der Ticketpreise um 25 bis 30 Prozent durch zusätzliche Abgaben. Die vorgesehene Beimengungspflicht von AF (nachhaltigem Treibstoff) sei grundsätzlich in Ordnung, werde aber wegen mangelnder Produktionskapazitäten nicht in großen Mengen funktionieren. „Das wird ein völliges Fiasko“.
Beide Vorstände verwiesen auf ausländische Hubs, die nicht solchen Belastungen ausgesetzt sein, wie beispielsweise der auf 150 Millionen Passagiere ausgelegten Flughafen Istanbul.
Chancen für den Flughafen ortet Jäger auf der Langstrecke, „Wien würde noch mehr Langstrecken-Kapazität vertragen, vor allem Richtung Ostasien“.
Der Flughafen Wien wird für 2026 seine Aktionäre mit einem Nettogewinn von 220 Millionen Euro (über Budget) erfreuen. Das jährliche Investitionsprogramm von 300 Millionen Euro werde nicht gekürzt und könne bis 2028 aus …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



