
Auf der Stromrechnung sehen Kunden, woher ihr Strom kam. Die Herkunft ist heimischen Kunden sehr wichtig. Der Großteil aller Lieferanten wirbt damit, 100 Prozent Strom aus Wasser, Wind, Solar oder Biomasse anzubieten. Die Stromanbieter müssen dafür auch Herkunftsnachweise erbringen. Einmal jährlich wertet die Regulierungsbehörde E-Control aus, wie es um die Kennzeichnung von Strom und Gas zuletzt bestellt war. Aus dem aktuellen Bericht geht hervor, dass sich im Jahr 2025 eine deutliche Schere zwischen tatsächlicher Stromerzeugung und Stromkennzeichnung aufgetan hat.
Handel findet „quer durch Europa“ statt
Laut Energiestatistik lag der Anteil erneuerbarer Energieträger am Endverbrauch im vergangenen Jahr bei 77,9 Prozent, jener von fossilen Energieträgern bei 22,1 Prozent. Bei der Stromkennzeichnung hatten Erneuerbare aber 87,34 Prozent, Fossile 12,77 Prozent. Der Unterschied ist möglich, weil Herkunftsnachweise (HKN) und Stromerzeugung getrennt voneinander gehandelt werden können. „Der Handel mit HKN findet quer durch Europa statt“, erklärt Harald Proidl, Leiter Erneuerbare Energien bei der E-Control.
Jene Herkunftsnachweise, die heimischen Stromkunden vorgelegt wurden, stammten 2025 zu 65,07 Prozent aus Österreich. 14,60 Prozent stammten aus Norwegen, 7,07 Prozent aus den Niederlanden, der Rest aus vielen weiteren Ländern. Wichtig beim Handel mit HKN ist nur, dass sie nicht doppelt eingesetzt werden. Wer Ökostrom produziert, erhält einen HKN durch eine Behörde wie die E-Control, kann diesen HKN verkaufen, darf ihn dann aber selbst nicht mehr verwenden.
Diskrepanz in Norwegen besonders stark
Norwegens Stromerzeuger haben sich dabei in eine spezielle Position gebracht. Im wasserreichen Land werden viele HKN erzeugt und dann oft ins Ausland verkauft. Norwegischen Stromkunden wird dann auf der Rechnung ausgewiesen, dass ihr Strom zu 72 Prozent aus fossilen Quellen stammt, obwohl in Norwegen rein physisch zu 98 Prozent Ökostrom produziert wird.
Betreibt der Rest Europas also Greenwashing mit norwegischer Unterstützung? Nein, sagt Proidl. „Wir haben einen europäischen Strommarkt und das auch auf HKN auszuweiten, sehe ich als legitim und nachvollziehbar an.“ Am Ende müsse die Rechnung stimmen, darauf komme es an. Österreich hat sich 2024 etwa wegen viel Stromproduktion aus Wasserkraft physisch zu 94 Prozent mit Ökostrom versorgt, während Erneuerbare bei der Stromkennzeichnung nur 86,52 Prozent ausmachten. Damals wurden in Österreich also mehr HKN verkauft als eingekauft.
Aufschlüsselung in Österreich bringt mehr Transparenz
Um den Unterschied zwischen tatsächlicher Stromerzeugung und dem Handel mit HKN aufzuzeigen, hat die E-Control 2024 eine Systematik eingeführt, wonach Stromlieferanten genau aufschlüsseln müssen, wie viel Strom gemeinsam mit HKN oder getrennt voneinander gehandelt wurde. 2025 wurden in Österreich insgesamt 46,99 Prozent gemeinsam gehandelt. 2024 lag dieser Wert bei 49,45 Prozent. Die Auswertung solle laut Proidl Transparenz schaffen.
Während er den europäischen Handel mit HKN befürwortet, sieht Proidl das Problem, dass viele europäische Länder noch immer keine verpflichtende Stromkennzeichnung gegenüber Kunden eingeführt haben. Dadurch sei ein Überangebot von erneuerbaren HKN möglich.
Handel mit Gas-Herkunftsnachweisen steigt
Genauso wie für Strom gibt es auch für Gas ein europäisches Kennzeichnungssystem. Der Anteil von Biogas ist allerdings sehr gering. Am Gesamtverbrauch macht Biomethan nur 0,20 Prozent aus. Bei Herkunftsnachweisen kommt Biomethan nur auf 0,15 Prozent. Positiv sei aber laut Proidl, dass es immer mehr Länder werden, aus denen heimische Kunden HKN beziehen. Der Handel nimmt also, auf immer noch …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



