
Matthew Rhys ist ein sehr lustiger Mann. Das sagen zumindest seine Interviewpartner. Mit einem Scherz hat er Montagnacht auch den ersten Emmy entgegengenommen. „Wer mich verspottet, dem stech’ ich damit ins Auge“, kündigte er frech an, als er die Trophäe für den besten Hauptdarsteller in einer Miniserie oder Anthologie-Serie in die Höhe streckte. Er erhielt sie für die Netflix-Thrillerserie „The Beast in Me“, in der er einen undurchsichtigen Superreichen spielt, der vielleicht seine Frau umgebracht hat.
Aber damit war Rhys an diesem Abend noch nicht fertig. Er war auch für „Widow’s Bay“ nominiert, und diese Auszeichnung gewann Matthew Rhys ebenfalls. Da verging ihm das Witzemachen ein bisschen – obwohl es die Kategorie „Bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie“ war. Aber der historische Moment forderte einen Seriositätstribut: Denn Rhys war der Erste, der jemals in der 78-jährigen Geschichte des US-Fernsehpreises in einem Jahr in zwei verschiedenen Hauptdarsteller-Kategorien gewonnen hat.
Komische Gruselinsel
Den zweiten Preis gewann er dafür, dass er auch mal zeigen konnte, dass er lustig ist. Denn bisher waren Komödien nicht gerade das Fach, in dem Matthew Rhys ganz oben auf der Besetzungsliste stand.
Die Horror-Komödie „Widow’s Bay“ wurde zudem als beste Comedy, für die beste Regie und für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Insgesamt gab es einen Rekord von 14 Trophäen für die Serie.
„Widow’s Bay“ ist auch ein ziemlicher Wurf von AppleTV. Rhys spielt den Bürgermeister einer Stadt, in der er den Tourismus ankurbeln will. Dabei ignoriert er nach Kräften, dass diese Stadt verflucht ist. Wer auf der Insel geboren ist, kann sie angeblich nicht verlassen. Der aufkommende Nebel bringt einen angeblich qualvoll um, vorher bekommt man noch Erektionsprobleme.
Bekannt geworden ist der Waliser, der ein großer Fan seines Landsmanns Richard Burton ist, mit der Spionage-Serie „The Americans“ (2013 bis 2018, abrufbar auf Disney+). Da spielte er mit Keri Russell ein KGB-Agentenpaar, das sich in den 80er-Jahren als amerikanisches Ehepaar ausgibt. Die fiktive Ehefrau wurde dann auch Rhys’ tatsächliche: Seit 2014 sind er und Russell ein Paar, sie haben auch einen gemeinsamen Sohn.
Pubs und Käsetoasts
Ein Geheimtipp mit Matthew Rhys ist übrigens das Prequel zum Gerichtsserien-Klassiker „Perry Mason“ – da spielt er den Titelcharakter, als er noch Detektiv war. Eine düstere Reise ins Los Angeles der 1930er Jahre, leider nach zwei Staffeln eingestellt (auf HBO Max).
Fast wäre es mit dem Schauspielen übrigens nichts geworden. Nachdem er kaum Angebote hatte, obwohl er am Londoner Westend neben Kathleen Turner in „Die Reifeprüfung“ gespielt hatte, wollte er schon zur Armee gehen – aber da wurde er abgelehnt. Mit seiner walisischen Heimat verbindet ihn noch viel: Rhys ist ein Unterstützer der hiesigen Pubkultur und hat ein paar Lokale gerettet. Außerdem hat er ein Boot, das nach einer walisischen, nicht übertrieben raffinierten Spezialität benannt ist: „Rarebit“ ist ein mit Käse überbackener Toast.
Source:: Kurier.at – Kultur



