
Eine UNO-Untersuchungskommission sieht hinreichende Gründe für die Annahme, dass die USA für zwei Angriffe auf eine Schule und eine Sportstätte im Iran verantwortlich sind.
Diese Angriffe im Februar seien Kriegsverbrechen, heißt es in einem Bericht der unabhängigen UNO-Kommission für den Iran, der dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegt werden soll. Zudem wirft die Kommission den iranischen Behörden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.
Diese seien bei der gewaltsamen Niederschlagung von regierungskritischen Protesten begangen worden, die Ende Dezember ausbrachen. Der Bericht untersucht das Vorgehen der USA in dem seit Februar herrschenden Iran-Krieg sowie die Reaktion der Führung in Teheran auf die landesweiten Unruhen. Stellungnahmen der Vertretungen der USA und des Iran in Genf lagen zunächst nicht vor.
Bei Angriff auf Mädchenschule etwa 160 Schülerinnen getötet
Bei dem Angriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden des Iran waren nach offiziellen Angaben 168 Schülerinnen getötet worden. Die UNO-Kommission spricht unter Berufung auf unabhängige Berichte von insgesamt 157 Toten. US-Streitkräfte hätten dabei nicht nur aufgrund veralteter Informationen gehandelt. „Die USA haben den Angriff auf das Gebäude der Schule unter Bewusstsein eines erheblichen Risikos angeordnet, ein ziviles Objekt zu treffen und fahrlässig gehandelt“, schreibt die Kommission.
Bei einem weiteren Angriff auf ein Sportkomplex in Lamerd in der Provinz Fars seien nach offiziellen Angaben 22 Menschen getötet worden, heißt es in dem Bericht. Internationale Medien hatten über den Einsatz neuartiger US-Munition bei dem Vorfall berichtet. Bei der Explosion einer Rakete in der Luft sei Schrot aus Wolfram weit verstreut worden. Auch dieser Angriff in einem bewohnten Gebiet wird als mögliches Kriegsverbrechen bewertet. Anfragen der Kommission beim US-Militär zu beiden Vorfällen blieben demnach unbeantwortet.
Scharfe Kritik an Vorgehen des Iran gegen eigene Bevölkerung
Zudem sehen die UNO-Berichterstatter schwere Menschenrechtsverstöße der iranischen Regierung an der eigenen Bevölkerung. Dabei beziehen sie sich insbesondere auf das Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte im Zuge der Massenproteste im Land Anfang des Jahres und die weitere Verfolgung von Demonstranten durch die Justiz.
Sicherheitskräfte schossen laut UNO-Bericht sowohl mit scharfer Munition etwa von Dächern auf Demonstranten, als auch mit Luftgewehren teils gezielt auf Augenpartien. Der Bericht schreibt unter Berufung auf eine Menschenrechtsorganisation von allein mindestens 221 Kindern, die bei der Niederschlagung der Proteste getötet wurden.
Eine unabhängige Feststellung der Gesamtzahl Toter infolge der Gewalt sei bisher nicht möglich, schreiben die Experten. Man habe gute Gründe zur Annahme, dass die Zahl signifikant über der Regierungsangabe von 3.038 getöteten Menschen liege. Einige westliche Diplomaten gehen von fast 20.000 Toten aus.
Source:: Kurier.at – Politik



