
In der Türkei sind mehr als 100 Personen nach ihrer Festnahme bei Protesten gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte bei Anti-LGBTQ-Razzien wieder auf freiem Fuß.
Der Anwaltsverband CHD bestätigte am Mittwochabend die Freilassung aller 106 am Vortag festgenommenen Protestteilnehmer. Unter den Festgenommenen waren nach Angaben des CHD und der Tageszeitung BirGün ein ARD-Journalist und ein BirGün-Reporter. Beide hatten demnach über die Proteste berichtet.
Die Demonstranten hatten sich am Dienstag vor dem Istanbuler Justizpalast versammelt. Menschenrechtsaktivisten wollten dort eine Erklärung verlesen, in der sie die ausgedehnten Razzien gegen Mitglieder und Aktivisten der LGBTQ-Community verurteilten. Bevor die Protestierenden Reden halten konnten, lösten die Beamten die Demonstration auf und nahmen zahlreiche Teilnehmer fest. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten unter anderem Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschaften und Oppositionsgruppen. Die Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und queere Menschen.
Festnahmen bei Razzien in mehreren Großstädten
Hintergrund sind Festnahmen zahlreicher Menschen bei Razzien der türkischen Polizei in Lokalen und Wohnungen von LGBTQ-Aktivisten am Sonntag. Nach Regierungsangaben wurden „Verfahren gegen 162 Verdächtige, neun Organisationen und 13 Unternehmen“ eingeleitet, darunter in den Großstädten Istanbul, Ankara und Izmir. Die Behörden werfen den Festgenommenen die Verbreitung „obszöner Inhalte“ sowie „Beihilfe zur Prostitution“ vor. Außerdem wurden zahlreiche Websites und Konten in Onlinediensten gesperrt.
Bis Mittwochabend hatten Gerichte laut der LGBTQ-Organisation Kaos GL in mehreren Städten für 81 der am Sonntag Festgenommenen Untersuchungshaft angeordnet. Kaos GL war bei den Razzien am Sonntag ebenfalls ins Visier geraten.
20 Personen am Mittwoch in Haft genommen
Am Mittwoch wurden zudem 33 weitere Menschen in Istanbul einem Richter vorgeführt – nach Angaben von Kaos GL wurden 20 von ihnen inhaftiert, die übrigen 13 wurden demnach unter Auflagen freigelassen. Mindestens neun der Inhaftierten sind Vertreter von LGBTQ-Organisationen.
Homosexuelle Kontakte sind in der Türkei nicht strafbar. Zugleich ist Homophobie weit verbreitet. Präsident Recep Tayyip Erdoğan schmäht immer wieder Menschen aus der LGBTQ-Gemeinschaft und beschimpft diese als „Perverse“. Sein Justizminister Yılmaz Tunç verteidigte die Razzien als Maßnahme zum Schutz von „Kindern und der Institution der Familie“.
Source:: Kurier.at – Politik



