
Vor 20 Jahren formierte Gudrun Nikodem-Eichenhardt mit Caroline Athanasiadis als „griechische Kriegerin“ das Kabarett-Erfolgsduo „Die Kernölamazonen“. Jetzt präsentiert sie sich im CasaNova dem Publikum solistisch, stellt aber sofort bei der Premiere ihres Programms „Die japanische Schreivase“ klar: Die Kernölamazonen werde es weiter geben. Die Termine für die Jubiläumstour stehen bereits fest.
In Ihrem Solo schildert sie ihr Leben als Tochter einer „Lehrer:innendynastie“ aus der Weststeiermark. Chapeau, wie sie das unternimmt. Das bannt einem nicht nur das Lächeln während der guten zwei Stunden ihres Programms ins Gesicht. Diese Frau reißt in ihre Geschichte mit. Mit einem kernigen „Servas, scheen, dass do seids“, begrüßt sie ihr Publikum, stimmt mit Salsa-Rhythmen ein, singt, tanzt und wandelt sich flugs in eine charmante Lehrerin. Ihr zur Seite ein Flip-Chart mit einer To-Do-Liste.
Wohlfühlwellness
Charmant bezieht sie das Publikum ein, ohne je aufdringlich zu wirken. Das beste „Wohlfühlwellness-Programm“ kündigt sie. Das klingt untertrieben, denn dieser Frau zuzuhören ist das reinste Vergnügen. Was sie von zu Hause erzählt, böte Stoff für eine TV-Serie. Da ist der konservative Vater, der auf seine Töchter schaut, die Schwestern und ihr Wunsch, etwas Kreatives zu schaffen. Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“, gab ihr schließlich den Ansporn, sich über den „verruchten Wechsel“ zu trauen und Musical in Wien zu studieren. „Wenn man’s hat, dann hat man’s eben“, trägt sie ihre Version des „Funny Girl“-Hits vor. Doch da ist schon längst klar, Gudrun Nikodem-Eichenhardt, die sich selbst die „steirische Eichin“ nennt – eine köstliche Anspielung auf Arnold Schwarzenegger – hat’s.
Märchenprinz
Irgendwann tritt der Märchenprinz in ihr Leben, der wird geheiratet, ein Sohn wird geboren. Da ist Zeit für eine Pause. Danach ist sie wieder Single und Teil einer Patchwork-Familie. Manche würden versuchen, sich dieses Leben so schön zu reden wie die Besteigung des Mount-Everest, stellt sie fest. Was aber, wenn man das mit Flip-Flops und schwerem Gepäck auf sich nehmen muss? Dann lieber zur Trauma-Therapeutin und zur japanischen Schreivase, in die man den Frust brüllen kann.
Ihr Fazit, dass es am besten wäre, wenn Gesetze nur für Männer gelten, denn könnten Frauen endlich die Weltherrschaft übernehmen, wird vom Publikum wie so viele andere Pointen mit Applaus angenommen.
Source:: Kurier.at – Kultur



