
2022 wurde dem Masterstudiengang Humanmedizin der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) die Akkreditierung entzogen. Die Begründung: Qualitätsmängel. Die SFU ging gegen die Entscheidung vor – inzwischen ist der Studiengang auch wieder akkreditiert. Der Vorfall wurde zum Anlass, das Curriculum neu aufzustellen. Entwickelt wurde es von der ehemaligen Dekanin Manuela Födinger gemeinsam mit Bernhard Jäger, Wiebke Sammtleben und dem international ausgezeichneten niederländischen Professor Olle ten Cate. Laut SFU sollen sie damit eines der modernsten Studienkonzepte weltweit geschaffen haben. Was es damit auf sich hat, erklärt Manuela Födinger im KURIER-Gespräch.
KURIER: Frau Födinger, rund ein Jahr haben Sie für die Entwicklung des neuen Curriculums gebraucht. Wie kam es dazu?
Manuela Födinger: Ich habe eine Vision gehabt und mir gedacht: Jetzt haben wir die Chance, nicht nur einen minimalinvasiven Eingriff zu machen, sondern maximal am Stand von Wissenschaft und Forschung zu arbeiten. Das Ziel war, ein Studium zu schaffen, das unsere Studierenden klinisch umfassend ausbildet und richtig gut auf den Berufseinstieg vorbereitet. Der erste Studienjahrgang wurde sogar schon unter diesem neuen Ausbildungskonzept abgeschlossen.
Was hat sich konkret verändert?
Der Lehrplan basiert auf Entrustable Professional Activities (EPA). Das sind klar definierte medizinische Aufgaben, die man nach Abschluss der Ausbildung selbstständig und sicher im Alltag durchführen können muss.
Wie kann man sich das vorstellen?
Es gibt eine Liste an EPAs. Ein EPA ist beispielsweise das Themenfeld Entlassung. Wenn Sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, führen Ärzte mit Ihnen ein Gespräch und schreiben einen Entlassungsbrief. Als Arzt muss ich dabei alles, was ich weiß und gelernt habe, einsetzen – auch meine Haltung: Wie gehe ich empathisch mit dem Patienten um? All das ist in diesem EPA definiert.
Es soll jetzt auch sogenannte Clinical-Exposure-Clerkships geben.
Das sind zusätzliche klinische Praktika zu Famulaturen und zum Klinisch-Praktischen Jahr. Dort lernen die Studierenden den Alltag in allen 18 Disziplinen kennen. Dann gibt es noch das zehnwöchige Contribution-to-Care-Clerkship, bei dem sie Mitglied eines Krankenhausteams werden und medizinische Aufgaben übernehmen.
Praktikums- und Ausbildungsstellen in der Medizin sind nicht leicht zu finden.
Deswegen haben wir Partnerschaften mit dem Wiener Gesundheitsverbund, den Barmherzigen Brüdern, der Vinzenz Gruppe und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt. Alle Studierenden haben damit einen gesicherten Praktikumsplatz und müssen sich auch keinen selbst suchen.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



