
Er ist 25 Tonnen schwer und hebt, wenn er nicht zu Demonstrationszwecken ausgestellt wird, seit sechs Monaten im Steinbruch der Strabag im slowenischen Lukovica Geröll. Noch ist der vom chinesischen Hersteller Liugong stammende Radlader der einzige elektrisch betriebene Bagger des Baukonzerns in dieser Größenordnung.
Zum Einsatz kommen auch bereits deutlich kleinere mobile E-Bagger des deutsch-schweizerischen Baumaschinenherstellers Liebherr. Bei den aktuellen Dieselpreisen liegen die Kosten schon unter jenen von Verbrennern, sagt Strabag-Chef Stefan Kratochwill, bei den Innovationstagen des Konzerns, die am Mittwoch und Donnerstag in Prag stattfanden.
Innovationstage
In den nächsten zehn Jahren sei die Umstellung auf elektrische Antriebe auch bei großen Baumaschinen ein realistischer Zeitraum, sagt Kratochwill. Die aktuellen Energiepreise spielen dem jedenfalls in die Karten. Bei Pkw beträgt der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge bei dem Baukonzern aktuell rund zwölf Prozent.
Bei der vor allem für Mitarbeiter abgehaltenen Strabag-Innovationsschau am Prager Holešovice-Markt waren neben elektrischen Baggern auch Softwarelösungen und innovative Baukonzepte zu sehen.
Modulare Bauteile
Etwa modulare Brückenkonstruktionen, die bereits zum Einsatz kommen. Dabei werden zentrale Brückenbauteile standardisiert geplant, weitgehend vorgefertigt und vor Ort nur noch montiert. Die Bauzeit verkürzt sich dadurch um etwa die Hälfte: Von acht bis zehn auf vier Monate pro Brücke.
Mit dem System will man vor allem in Deutschland punkten, wo in den nächsten Jahren rund 4.000 Brücken im Rahmen des Infrastrukturprogramms der deutschen Bundesregierung komplett ersetzt werden sollen.
Fertigteile „Riesenthema“
Fertigteile sollen dem Baukonzern auch im Wohnbau helfen, Kosten zu senken und Bauzeiten zu verkürzen. „Sie sind ein Riesenthema“, sagt Kratochwill. Die serielle Fertigung setzt der Konzern in Deutschland etwa mit einem System des Tochterunternehmens Züblin um. Dabei wird auch viel mit Holz gearbeitet.
Die Vorfertigung soll auch helfen, den Fachkräftemangel zu lindern. Es werde zunehmend schwieriger, Fachkräfte zu bekommen, dem wolle man mit kürzeren Bauzeiten entgegenwirken, sagt Kratochwill: „Die Arbeitsbedingungen in einer Fertigungshalle sind besser als auf der Baustelle.“
Kraftwerk im Haus
Gearbeitet wird auch an der integrierten Energieversorgung von Gebäuden. In Wien entstehen derzeit etwa zwei Projekte, die ein solches „Immokraftwerk“ umfassen. Dabei werden Energielösungen von der Strabag vorfinanziert und die erzeugte Energie über langfristige Verträge den Kunden bereitgestellt.
Großes Potenzial sieht der Strabag-Chef auch in der Sanierung und Dekarbonisierung von Gebäuden. Verstärkt bestehende Gebäude zur Deckung des Wohnbedarfs heranzuziehen, sei auch für die Umwelt besser, sagt Kratochwill. Das Geschäftsfeld legt stark zu und trägt mittlerweile zwei Milliarden Euro zum Jahresumsatz des Baukonzerns bei.
Laserscanner und KI
Den Baubestand analysiert die Strabag dabei mit Radargeräten und Laserscannern. Eine „Ultraschalluntersuchung für Gebäude“, wie der bei dem Konzern für Innovation und Digitalisierung zuständige Manager Marco Bornschlegl sagt. Sie erfassen die Bausubstanz und den Energiezustand von Häusern, kommen aber auch im Straßenbau zum Einsatz, wo sie auch dabei helfen, mehr Asphalt wiederzuverwerten.
Geplant wird bei dem Konzern auch mit Künstlicher Intelligenz (KI). Mit der Technologie können sowohl im Bestand als auch im Neubau unterschiedliche Varianten rasch erstellt und miteinander verglichen werden.
Impulse von Mitarbeitern
Impulse für Innovationen gehen oft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, die damit konkrete Probleme lösen wollen, erzählt Bornschlegl. Oft seien es kleine Dinge, die einen Unterschied machen. So habe man etwa bei der Abdichtung von Decken eine Lösung entwickelt, bei der Bitumen durch eine …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



