Zu hoch, zu niedrig: Wie man das richtige Maß beim Strompreis findet

Wirtschaft

Über Strom heiße es oft: „Man kann ihn nicht sehen, hören oder riechen und wenn man ihn spürt, hat man etwas falsch gemacht“, sagt E-Control-Vorstand Michael Strebl. Den Strompreis allerdings spüren Österreicherinnen und Österreicher in finanzieller Hinsicht. Das sei erst seit einigen Jahren so, sagt Manuela Lenk, Generaldirektorin der Statistik Austria. „Bis in die späten 2010er-Jahre waren die Strompreise in Europa weitgehend stabil. Keiner musste sich darüber Gedanken machen.“

Mit den Kriegen in der Ukraine und im Iran änderte sich die Lage dramatisch. Heute gebe es kaum etwas, was Menschen mehr ärgert als die gestiegenen Energiepreise, so Meinungsforscher Christoph Hofinger. Beim Energiekongress waren Preise eines der großen Themen. Das jährliche Treffen der heimischen Strombranche fand heuer in der Wiener Hofburg statt.

Energieunternehmen sind in der Zwickmühle

Erzeuger, aber auch Netzbetreiber und Politik befinden sich aktuell in einer Zwickmühle. Sie sollen Strompreise niedrig halten, erneuerbare Energie ausbauen, den Netzausbau finanzieren und dabei wirtschaftlich überleben. Den Strompreis genau zwischen zu hoch und zu niedrig zu halten, ist ein schwieriges Unterfangen, wie in einer Paneldiskussion am Donnerstag deutlich wurde.

Puzzleteile im Energiesystem müssen zusammengefügt werden

Für Stromkunden ist oft nicht verständlich, warum Strompreise steigen, während erneuerbare Energien doch Preise senken sollen. Das liegt einerseits am Netzausbau, der für ein Energiesystem mit vielen Erzeugern und hohen Erzeugungsschwankungen notwendig ist. Andererseits steigt die Abgabemenge nicht. „Wenn die verkaufte Menge gleich bleibt und die Investitionskosten steigen, steigt auch der Preis“, sagt Strebl. Martin Hoyer, Energieexperte bei der Unternehmensberatung EY, spricht von einem „Strompreisberg“, den es zu überwinden gilt.

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Das gelinge nur durch eine Systemoptimierung. Das Abstimmen des Verbrauchs auf die Erzeugung, der Aufbau größerer Speicherkapazitäten, verstärkte Kommunikation zwischen Marktteilnehmern seien dabei etwa Stellschrauben. „Es geht um das Zusammenführen von Puzzleteilen, die schon da sind“, so Hoyer. Sofortige Effekte dürfe man sich dabei nicht erwarten, sagt Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der Energieallianz Austria: „Es geht um langfristig günstigen Strom, nicht kurzfristig.“

Rahmenbedingungen könnten optimiert werden

Aus Sicht von Energieversorgern führe mehr Wettbewerb zu niedrigen Preisen. Dafür brauche es aber auch nachhaltige Geschäftsmodelle. Rahmenbedingungen könnte man noch optimieren. Er kritisiert etwa die maximale Bindungsfrist bei Lieferverträgen von einem Jahr. „Das hemmt uns in der Preisgestaltung“, so Hauenschild. „Unsere Preise sind fair, aber wir geben keinen 65 Prozent Erstjahresrabatt in der Hoffnung, dass der Kunde vergisst zu wechseln.“

Wichtig sei jedenfalls, gegenüber Kunden transparent zu kommunizieren und Fairness herzustellen. „Die Energiepreisbelastung ist ungleich verteilt“, sagt Lenk. Das sei eine Gefahr für die Akzeptanz der Energiewende. Laut Michael Baminger, Präsident des Branchenverbands Oesterreich Energie, sei der Blick auf das große Ganze wichtig. Das Vermitteln eines gemeinsamen Ziels und des Weges dorthin sowie eine rasche Umsetzung könnten Vertrauen schaffen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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