Dolores Schmidinger wird 80: „Ich schwebe über mir und lache“

Kultur

Als Wienerin, Jahrgang 1946, hat man 8 Päpste, 8 Bürgermeister, 9 Bundespräsidenten, 21 Bundeskanzler und 374 Minister erlebt. Im Fall der Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Dolores Schmidinger (heute 80)  darf man fragen: Und wieviele Männer? – Ihre „unartige Biografie“ dient als patente Antwort: „Ich hab sie nicht gezählt“ (K&S, 2012). 

„Dolly“ auf Affären und Amouren zu reduzieren, wäre freilich eine Frechheit. In 63 Berufsjahren auf Bühne, Brettel & Bildschirm gewann sie Preise en masse und das Publikum im Sturm. Zum gewissen Etwas leistete sie sich stets etwas Gewissen. Sie mag ihr Gesicht verändert haben, aber sie hat es nie verloren.  

KURIER: Was ist Ihr aktueller Beziehungsstatus?

Dolores Schmidinger: „Ausgetreten“. So ist mein Leben erholsamer. Ich hab ja immer nur  Männer wollen, die mich nicht wollten. Und wenn sie zu lieben zu mir waren, hab ich sie mir auf „grauslich“ zurechtgebogen.  

Vier Ehen, Bulimie,  Tabletten, Alkohol. Sie haben wirklich einiges mitgemacht.

Ja, mitgemacht, weil ich ja dabei war.  Am 21. 4. 1989 hab ich das Trinken eingestellt. Hat mich soziophob gemacht.  Ich geh nimmer aus. Schon gar nicht ins Kabarett. Die sind dort  oft nur noch so g’scheit wie ihr Publikum.  Die Bilanz? Ich schwebe über mir und  lache. Der Sinn des Lebens? Mach’s dir cosy!

Gemütlichkeit statt Bitterkeit? Ein neuer Buchtitel?

Nein: Gelassenheit. Die Opferrolle liegt mir nicht. Obwohl:  Allein wegen der Zahl 80 musste ich meine Antidepressiva wechseln. Auf Facebook hab ich ein Angebot für einen Sarg bekommen, den man zu Lebzeiten als Möbelstück verwenden kann …  Da kriegst schon den Blues. 

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Wie alt wollen Sie werden?

Ich lass mich überraschen –  ich hab zwar a bissl Arthrose, aber zwei neue Hüften.  

Was regt Sie politisch auf?

Vor 15 Jahren hab’ ich g’sagt: Wenn die Rechten ans Ruder kommen, wander’ ich aus. Heut’ frag’ ich mich: Wohin? Trotzdem: Ich bin lieber a unverbesserliche Linke als eine angepasste Mainstream-Mitschwimmerin. 

Und der „Fall Gunkl“?

Ohne die Details zu kennen: Schon 1994 („Die nackte Matrone“) hab ich das Thema  aufgegriffen, indem ich auf der Bühne einer Puppe dasselbe antat wie  mein Vater mir als kleines Mädchen. Das passiert in jeder vierten Familie. Hat weniger mit Sexualität zu tun, mehr mit patriarchalischem Machtwahn.  
 
Wie feiern Sie Ihren 80er?

Ich geh’ mit meinem Psychiater persisch essen. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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