Rüstungs-CEO Papperger: „Uns wird jede Woche ein Werk angeboten“

Wirtschaft

Rheinmetall setzt alles auf eine Karte: Künftig ist man ausschließlich Defence-Konzern, will hier in den nächsten sechs Jahren 30 Milliarden Euro investieren. Vorstandschef Armin Papperger begründet den strategischen Fokus und die Ausgaben mit dem hohen Bedarf an Munition, Flugabwehr, Raketen, Fahrzeugen und Militärtechnologie.

Das Interview findet im Rheinmetall-MAN-Werk in Wien-Liesing statt. Wenn Armin Papperger da ist, schützt ihn die Polizei und die Sondereinheit Cobra.

KURIER: Österreich als Standort – haben Sie aufgrund der Neutralität Limitierungen für die Produktion?

Armin Papperger: Das war früher schwieriger als das heute der Fall ist. Wir haben ein sehr gutes Kommittent der Regierung, wir arbeiten hier zusammen und Österreich ist für uns deshalb ein gutes Land, weil wir sehr gut ausgebildete, hoch motivierte Mitarbeiter haben. Hier ist wirklich Ordnung in dieser Fertigung.

Sie betrachten den Standort durchwegs positiv, viele andere finden, er ist zu teuer. Haben Sie kein Kostenthema bei Personal und Energie? 

Wir würden uns freuen, wenn es billiger wäre, vor allem, weil Österreich ja viel erneuerbare Energien hat und man deshalb günstiger sein könnte. Aber die Effizienz, die die Menschen hier haben, gleicht die höheren Kosten wieder aus.

Sie wollen den Standort in Wien erweitern – mehr Kapazitäten, mehr Mitarbeiter. Wohin wollen Sie wachsen?

Unser Ziel ist es, die zwei Milliarden Euro Jahresumsatz am Standort zu erreichen. Uns geht es aber nicht nur um Umsatz, es geht uns auch um Beschäftigung. Jährlich 10.000 neue Beschäftigte im Konzern sind 10.000 neue Familien, die wir ernähren. Wir haben auch eine soziale Verantwortung. Es geht nicht nur um Geldverdienen, sondern auch darum, das Land sicher zu machen, Menschen zu beschäftigen, Steuern zu lukrieren. Mehr als 90 Prozent unserer Produktion hier in Österreich geht in den Export, davon profitiert das Land.

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Sie betonen die menschliche Komponente stark, auch in Ihrer Rede vor der Belegschaft. Sind Sie gar ein Humanist an der Spitze eines Rüstungskonzerns? 

Ich bin kein Humanist, ich bin Ingenieur. Mir war von Anfang an klar, dass ohne Menschen überhaupt nichts funktioniert. Die Menschen bringen das Herz und die Seele in ein Unternehmen. Rheinmetall ist wie ein Familienbetrieb.

Der Ingenieur kennt die Möglichkeiten von Automatisierung und KI. Könnte man so einen Betrieb komplett auf Roboter umstellen?

Jeder Lkw, der hier gefertigt wird, ist anders. Die Stückzahl ist zu klein. Wenn wir 4.500 Lkw pro Jahr produzieren, wird das bei VW in der Vormittagsschicht gemacht. Deswegen hat es wenig Sinn, diese Automatisierung zu machen, die Milliarden kosten würde.

Die Aufrüstung in Europa ist evident. Wohin wächst sich das in den nächsten Jahren aus?

Ich kuck‘ auf die NATO-Forderung, die wir haben. Wenn die NATO sagt, 3,5 Prozent des BIP sollte für Verteidigung ausgegeben werden, denke ich, dass es Länder gibt, wie Deutschland, die das schaffen. Andere Länder vielleicht nicht ganz so. Es wird in Europa aber jedenfalls viele hundert Milliarden an Investitionen ausmachen. Dafür braucht es Konzerne, die in der Lage sind, diese Sicherheitsgüter, die wir brauchen, zu erzeugen.

Die Rüstungsindustrie wird demnach immens wachsen.

Bisher ist die Defence-Industrie in Europa viel zu klein gewesen, wir haben das ja in der Vergangenheit alles abgebaut. Ein strategischer Fehler. Wir haben uns darauf verlassen, …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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