Weniger Freizeit, neuer Ton: Wie im ÖFB-Team der Fokus geschärft wird

Sport

Es war der 27. Mai, als sich Österreichs Teamspieler in Wien-Aspern am ÖFB-Campus trafen, um eine Woche später zur WM in die USA abzuheben. Im Gepäck nicht nur die Fußballschuhe, sondern auch die Ausrüstung für die geliebte Freizeitgestaltung. Nicht nur bei Michael Gregoritsch und Xaver Schlager war das die private Golf-Ausrüstung.

In Santa Barbara, wo das Team während der WM vier Wochen lang wohnte, wurde an einigen Nachmittagen nach dem Fußballtraining leidenschaftlich abgeschlagen.

Eines vorweg: Das war sicher nicht der Grund dafür, dass Österreichs Team bei der Endrunde nicht die gewünschten Leistungen gezeigt hat. Golf spielen hat für Profifußballer aus physiologischer Sicht keinen leistungsmindernden Effekt, das lässt sich sportwissenschaftlich belegen.

Trotzdem zieht Rangnick gut zweieinhalb Monate nach dem 0:3 gegen Spanien Konsequenzen. 

Vergangene Woche sagte der Deutsche: „Ich würde das nicht wieder machen.“ Die Freizeit soll „auf ein anderes Maß“ reduziert werden. Wer im Golfwagerl von Loch zu Loch fährt, legt keine Kilometer zurück und kommt nicht müde vom Platz.

Um die Muskeln geht es nicht, sondern um den Kopf: Der Fokus soll wieder geschärft werden.

Ausflüge nach Los Angeles

Golf war während der WM auch nur eine Freizeitvariante. Auf den freien Tagen fuhr eine andere Gruppe regelmäßig von Santa Barbara nach Los Angeles, übernachtete dort und kam am nächsten Tag zurück. Gut zwei Autostunden pro Richtung. Das Quartier war weitläufig, die Spieler waren auf kleine Häuschen verteilt, und so entstanden Grüppchen, die sich in der Freizeit verstreuten.

Bei der EM in Berlin, sagte Rangnick, sei das Quartier „wie eine Jugendherberge auf höherem Niveau“ gewesen. Diesmal – im Hotel Dilly in Windischgarsten – soll alles wieder enger beisammen sein, um den Teamspirit wieder zu stärken.

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Das ist aktuell wichtiger als sonst. Im Kader stehen einige Debütanten, und der vierköpfige Mannschaftsrat fehlt komplett: Arnautovic hat seine Teamkarriere beendet, Alaba sucht noch einen Klub und Sabitzer bat um eine Pause im Team. Dazu kam die Verletzung von Konrad Laimer.

Vier Spieler, vier Lücken. 

Vorangehen müssen jetzt andere. Michael Gregoritsch und Xaver Schlager gehören ganz sicher dazu – sie sind bei diesem Lehrgang zwei der absoluten Führungsspieler.

Da hilft es, dass beide in bester Verfassung zum Team kommen. Gregoritsch nach drei Toren in vier Bundesligaspielen für Augsburg als neuer Rekordtorschütze seines Klubs. Und Schlager nach einem gelungenen Wechsel in die Premier League. Der 28-Jährige wurde bei Nottingham Forest in dieser Saison schon ausdrücklich gelobt.

Weniger Freizeit

Rangnick lässt es nicht bei Worten und kürzt bei der ersten Zusammenkunft nach der WM gleich die Freizeit. Wer schon am Freitag oder Samstag bei seinem Klub im Einsatz war, musste am Sonntag nach Windischgarsten anreisen. Nur wer noch am Sonntag gespielt hatte, durfte am Montagvormittag kommen.

Für Montagnachmittag war das erste Training geplant.

Die Rechnung dahinter ist einfach: Schon am Mittwoch ist Abschlusstraining, am Donnerstag wird in Linz gegen Israel gespielt. Zum Start der Nations League kann niemand beim ÖFB gegen die Nummer 76 der FIFA-Weltrangliste (Österreich ist 23.) einen Umfaller gebrauchen.

Zwischen dem ersten Training und dem Anpfiff liegen drei Tage. Da kann sich der Teamchef keinen halben Montag leisten.

Auch weil es neben einigen neuen Spielern Veränderungen im Betreuerstab gibt.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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