
Christian Scherer verlässt den Österreichischen Skiverband und wechselt in die Privatwirtschaft. Gemeinsam mit Sportdirektor Mario Stecher führte der Osttiroler in den letzten Jahren die Geschicke des ÖSV. Am Freitag hatte der Osttiroler den letzten Arbeitstag als ÖSV-Generalsekretär.
KURIER: Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?
Christian Scherer: Der sentimentalste Punkt war im Frühjahr, als ich vor dem Team gesagt habe, dass ich aufhöre. Ich kann mir vorstellen, dass es emotional wird, wenn die Rennen kommen. Grundsätzlich war es ein Riesenprivileg, dass ich für den Skiverband in dieser Position arbeiten durfte.
Welchen Skiverband hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger Jan Überall?
Gerade im internationalen Vergleich steht der ÖSV sehr solide da und kann frohen Mutes in die Zukunft blicken. Die Einnahmenseite hat sich sehr positiv entwickelt über die Jahre, da ist der Skiverband durch langfristige Verträge abgesichert. Etwas weniger erfreulich sind die Kosten, die in den letzten Jahren schon signifikant gestiegen sind. Teilweise durch die globalen Krisen, Stichwort Energie und Erdöl, manches war aber auch selbst verschuldet. Die Ausgabenseite muss man sicher im Auge behalten.
Was meinen Sie konkret?
Du brauchst gewisse Rahmenbedingungen, sonst bist du nicht mehr dabei. Wenn die öffentlichen Zuwendungen weiter zurückgeschraubt werden, obwohl man sich im Regierungspapier zur Skination bekennt, geht es irgendwann an die Substanz und die Qualität. Wenn zugleich die Kosten weiter steigen, dann wird es irgendwann schwer, die Vielfalt des Wintersports mit all ihren Disziplinen in der bisherigen Form weiter aufrecht zu erhalten. Da stößt der ÖSV jetzt schon an seine Grenzen.
Was wäre die Konsequenz?
Der ÖSV wird es sich nicht leisten können, bei Ski Alpin Abstriche zu machen, aber man wird hinterfragen müssen, ob alle Sparten weiter gefördert werden. Es ist kein Geheimnis, dass der Verband mit Ski Alpin und Skispringen die großen Einnahmen lukriert. Alle weiteren Disziplinen sind defizitär. Eigentlich ist der ÖSV ein sehr sozialer Verband, weil zwei gewinnbringende Sparten den ganzen Rest finanzieren. So lange die Rahmenbedingungen passen und es gut geht, macht man das natürlich gerne. Aber sollte es in Zukunft noch schwieriger werden, dann muss man die richtigen Schlüsse ziehen. Eines ist auch klar: Eine Sparte aufrecht zu erhalten und nur Mittelmaß zu fördern – das ist nicht der Anspruch des ÖSV.
Vor welchen Herausforderungen steht der Skiverband sonst noch?
Ein großes Fragezeichen ist sicher, wie es international weiter geht. Mit dem Weltverband FIS, aber auch mit den anderen Verbänden. Wenn ich in der Zeitung lese, dass der französische Skiverband nicht weiß, wie er die nächste Saison finanziell bestreiten soll, dann stimmt mich das nachdenklich. Oder wenn ein halbes Jahr vor der Nordischen WM in Falun noch immer Sponsoren und Medienverträge fehlen. Deshalb kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen, dass die FIS immer noch nach mehr mehr mehr strebt.
Woran scheitert es?
Ein Blick in den Spiegel würde nicht schaden. Es gelingt ja jetzt schon nicht, im Weltcup ein Produkt zu schaffen, das auch nur annähernd ähnliche Standards und Qualitätskriterien hat. Durch mehr Rennen wird dieses Gefälle noch größer, da ist man bei der FIS gerade auf dem falschen Dampfer. Ich bin für Qualität und nicht für Quantität.
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Source:: Kurier.at – Sport



