Altbatterien: Warum Österreich beim Sammeln unter Druck gerät

Wirtschaft

In Österreich landen zu viele Batterien in Schubladen oder im Restmüll anstatt wieder im Recyclingkreislauf. Dabei hätten die Österreicher weniger ein Infrastruktur- als ein Bewusstseinsproblem, ist Thomas Maier, Geschäftsführer der Elektro Recycling Austria GmbH (ERA), überzeugt. „Es gibt Tausende Rückgabemöglichkeiten im Handel und über 2.000 regionale Sammelstellen“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

Von den 7.000 Tonnen Batterien, die österreichweit jedes Jahr in Verkehr gebracht werden, wird etwas mehr als die Hälfte gesammelt und sortiert. Die Quote liegt laut ERA bei rund 53 Prozent. Große Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Batteriearten: Herkömmliche Alkali-Einwegbatterien, beispielsweise AA- oder Knopfbatterien, kommen auf eine Rücklaufquote von rund 82 Prozent. Bei Lithium-Batterien sind es hingegen nur 14 Prozent.

Batterieverordnung bringt 2027 eine höhere Sammelquote

Das hat laut Maier auch mit der langen Lebensdauer der Akkus zu tun. Viele werden jahrelang in Geräten verwendet oder nach deren Ende in Haushalten gelagert, bevor sie bei einer Sammelstelle landen. Der Druck auf die Branche steigt dadurch. Denn seit August 2023 ist die EU-Batterieverordnung in Kraft. Und für Altbatterien gelten dadurch schrittweise höhere Sammelziele: Bis Ende 2027 sollen 63 Prozent gesammelt werden, bis 2030 73 Prozent.

„Das wird in bestimmten Ländern aus heutiger Sicht eine Herausforderung sein“, sagt Michael Dickstein, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Duracell für Europa und Vorsitzender des europäischen Batterieverbands EPBA. Das könnte auch für Österreich gelten, trotzdem zeigen sich die beiden Experten optimistisch. „Es wird schwierig, aber wir werden die Ziele früher oder später bestimmt erreichen“, sagt Maier.

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In Österreich werden die Altbatterien übrigens nur gesammelt und sortiert, eine eigene Recyclinganlage für Batterien gibt es hierzulande nicht. Zur weiteren Verarbeitung werden sie dann ins Ausland – etwa nach Deutschland oder Frankreich – gebracht.

Berechnung der Sammelquote verzerrt Ergebnis

Problematisch findet ERA-Chef Maier die Berechnung der Sammelquote. Dabei wird die Menge der in einem Kalenderjahr verkauften Batterien jener Menge gegenübergestellt, die im selben Jahr gesammelt wird. Gerade bei langlebigen Lithium-Akkus klaffe zwischen Verkauf und Rückgabe aber oft eine Lücke von mehreren Jahren. Das könne die Quote verzerren. Maier plädiert deshalb dafür, die Sammelquoten „nach verschiedenen Produkten getrennt“ zu berechnen.

Immer wieder wird auch über ein Pfandsystem für Batterien diskutiert, das die Sammelquoten erhöhen könnte. Dickstein lehnt ein solches „ganz deutlich“ ab. Zwischen Kauf und Rückgabe einer Batterie liege eine wesentlich längere Zeitspanne. Ein Pfandsystem könnte zudem die bestehenden Sammelstrukturen schwächen, wenn die Rückgabe stärker auf den Handel konzentriert werde. Auch Maier sieht derzeit „überhaupt keine Lenkungswirkung“ und verweist auf den hohen organisatorischen Aufwand.

Die Branche setzt auf Kampagnen zur Bewusstseinsbildung

Stattdessen setzt die Branche auf Information. „Bewusstsein, Bewusstsein, Bewusstsein“, sagt Dickstein. Kampagnen hätten in der Vergangenheit bereits einen deutlichen Schub bei der Sammlung gebracht. Im Herbst soll eine Initiative von ERA, der österreichischen Feuerwehrjugend und Duracell zum Sammeln von Batterien motivieren. Zudem werden die Sammelstellen erweitert. Künftig sollen Kunden etwa im Supermarkt nicht nur Batterien, sondern auch kleine Elektrogeräte mit einer Kantenlänge von bis zu 25 cm abgeben können.

Neben der Sammlung beschäftigt die Branche auch der zunehmende regulatorische Aufwand. Europäische Hersteller und der Handel würden durch die zusätzlichen Vorgaben der Batterieverordnung belastet, während gleichzeitig günstige …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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