Brisante Protokolle: Als bei Signa der Hut zu brennen begann

Wirtschaft

Heute, Dienstag, steht für den U-Häftling René Benko viel auf dem Spiel. Das Landesgericht Innsbruck muss den Vorwurf der betrügerischen Krida nach einem OGH-Urteil neuverhandeln. Es geht um eine Mietvorauszahlung für eine „Zweit-Villa“ in Höhe von 360.000 Euro. Im ersten Durchgang war er in diesem Punkt freigesprochen worden, in einem anderen Punkt – 300.000 Euro Geschenk an die Mutter – aber zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.  Jetzt droht ihm eine deutlich höhere Strafe (siehe rechts).

Mittlerweile sind schon vier Jahre ins Land gezogen, als sich die ersten Anzeichen einer Schieflage der Signa abzeichneten. Es war die Signa-Weihnachtsfeier im Dezember 2022, als die Signa-Manager Franz H. und Bernhard J. etwas verdutzt waren, weil Vorstand Timo H. auf der Bühne verkündete, dass jeder Mitarbeiter des Signa-Konzerns eine Corona-Prämie von 3.000 Euro erhalten würde. H. und J. wussten zu diesem Zeitpunkt, dass die Lage mehr als angespannt war: „Wir wussten nicht einmal, wie wir die normalen Gehälter bezahlen sollten.“

Weitere Alarmzeichen

Diese Szene ist festgehalten in einem 142 Seiten starken Zwischenbericht der Soko Signa (WKStA), für den die Ermittler  220 Vernehmungen von Signa-Organen, Managern und Mitarbeitern sowie anderen Zeugen ausgewertet haben. 

Der Erste, der Alarm schlug, war der Chef-Buchhalter der Signa Holding, der bereits „Richtung Sommer 2022“ einen akuten Finanzbedarf erkannte. Was ihn aufschreckte: Ein Darlehen eines Investors über 200 Millionen Euro mit Laufzeit von drei Wochen kostete eine Gebühr von fünf Millionen Euro. Das entsprach einem Jahreszins von mehr als 70 Prozent. Der Buchhalter will Benko damit konfrontiert haben. Benko soll geantwortet haben: „Wir werden das Geld im Retail-Bereich um ein Vielfaches hereinbringen.“ Letzterer konnte sich an ein diesbezügliches Gespräch nicht erinnern.

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Ein weiteres Alarmsignal: Die Dividende der Signa Holding für das Geschäftsjahr 2021 in Höhe von 250 Millionen Euro wurde nicht ausgezahlt – offiziell aufgrund einer „wirtschaftlichen Entscheidung“ angesichts der Marktlage. Tatsächlich, so zeigen die Akten, war die dafür nötige Liquidität schlicht nicht vorhanden.

Alles Geld zusammengekratzt

Ab März 2023 verdichteten sich die Anzeichen einer Schieflage. Zeugin Karin W. berichtet von „Informationen über den Flurfunk, dass Rechnungen nicht mehr bezahlt würden.“ Auch Projektleiter Wilhelm H. bekam im Frühjahr 2023 von Geschäftspartnern die Information, „dass Zahlungen nicht erfolgten“. Als er sich mit Kollegen austauschte, stellte er fest: „Das Problem bestand auch bei anderen Objekten.“

Im zweiten Quartal 2023 wurde aus dem Schwelbrand ein Flächenbrand: Die Finanzteams der Signa Prime und Signa Development sollen im Auftrag von Finanzvorstand Manuel P. Gelder von diversen Konten zusammengekratzt und „nach oben geleitet“ haben. Wöchentlich wurden Kontostandabfragen aller Signa-Konten durchgeführt. Es kam zu einem „systematischen Abräumen aller verfügbaren Mittel“. Anfangs wurden Kleinbeträge von freien Konten abgezogen, später auch größere Beträge von blockierten Konten.

Das Korea-Desaster

Auch Buchhalter Mario T. beobachtete, dass ab dem ersten Halbjahr 2023, „wenn zum Quartalsende Bankzinsen fällig wurden, Signa Immobilien oder Beteiligungen verkauft wurden, um die Zinsen zu bezahlen“. 

Im August 2023 wurden Rechnungen nicht mehr bezahlt, und das betraf „mehrere Gesellschaften, nicht nur die Signa Prime Selection“.

Am 17. August 2023 dann der große Schock, der die Signa-Führung hart erwischte: Ein koreanischer Pensionsfonds sagte eine bereits unterzeichnete Finanzierung der Signa Holding über 400 …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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