
Sphärenklänge geben einen märchenhaften Auftakt. Akkorde werden auf einem Cembalo angeschlagen, Blasinstrumente ertönen. Eine nahezu liebliche Klangidylle breitet sich im großen Saal des Wiener Konzerthauses aus. Dann der Bruch. Donnernde dunkle Rhythmen schlagen in diese liebliche Klanglandschaft ein wie Geröll in eine von zarten Blumen bewachsene Wiese. Bald tönt es aus 50 Klavieren.
Die sind an den Wänden im großen Saal des Konzerthauses platziert.
Deren hypnotisierendes Rauschen und Hämmern wandelt Klang in einen Raum. Das geschieht bei „11.000 Saiten für 50 mikrotonal zueinander gestimmte Klaviere und Kammerorchester“ von Georg Friedrich Haas. Für seine Komposition ließ er diese Klaviere nach einem speziellen Verfahren stimmen. Man muss nichts von Musiktheorie verstehen, um vom Ergebnis fasziniert zu sein.
Vor drei Jahren war diese Komposition zur Eröffnung des Festivals Wien modern zu erleben. Damals konnte man im Publikum seine eigene Klangregie kreieren. Die Sessel waren entfernt, das Publikum konnte sich frei im Saal bewegen und dem Spektakel aus verschiedenen Positionen folgen. Viele hielten sich in der Mitte des Saales auf, andere umrundeten die Instrumente. Das war einerseits großartig, andererseits ging von der Konzentration einiges verloren. Haas bearbeitete das Konzept. Jetzt umkreisten die Instrumente das Publikum. Die Hörposition war auf den Sitzplatz eingeschränkt.
Die Pianisten, 50 Studierende der MdW, musizierten mit einer Formation aus dem Klangforum Wien. Dirigent Vimbayi Kaziboni leitete das Geschehen elektronisch. Die Einsätze werden über IPad vermittelt.
Als das Klangforum Wien bei Haas eine Komposition für Klavier in Auftrag gab, saß er wegen in einem Lockdown in Marokko fest. Das Angebot wirkte auf ihn wie ein „Gruß aus einer anderen Welt, wie ein Hoffnungsschimmer“. Den spürt man noch heute in diesen Klängen.
Source:: Kurier.at – Kultur



