August Zirner will „Menschen verführen, an Menschen zu denken“

Kultur

So präsent ist kaum jemand, und noch dazu als Garant für derart hohe Qualität: August Zirner stand in mehr als 150 Film- und TV-Rollen vor der Kamera, er ist auf der Theaterbühne ebenso präsent wie als Musiker. Nun ist Zirner für die KURIER ROMY nominiert – ein guter Zeitpunkt vielleicht, um über Aspekte seines Berufs zu reflektieren, die sonst zuweilen unterspielt bleiben. Gleich mit der ersten Frage: Wenn man in so viele verschiedene Menschenrollen geschlüpft ist – ist dieser schöne Beruf nicht auch belastend?

„Die Rolling Stones haben es schön gesagt: Sympathy for the devil“, sagt Zirner. „Man entwickelt Sympathien auch mit Teufeln, weil man versucht, sie zu verstehen. Und das ist wahnsinnig interessant! Beim Erkunden einer Rolle die Motive zu erkunden, schult wirklich in Empathie.“ Nachfrage: Aber bleibt da nicht am Ende auch Verzweiflung darüber, wie die Menschen so sind? „Ja, diese Frage verstehe ich gut. Aber nein, die Verzweiflung, die bleibt, ist nur die, dass ich so wenig Zeit hatte, über mich selbst nachzudenken. Ich habe mich so viel mit anderen Figuren beschäftigt und oft zu wenig damit, was ich in meinem Leben selbst zu bewältigen hätte und habe.“

Heimat

In der Biografie des Schauspielers schwingt viel Geschichte mit. Geboren wurde er 1956 in den USA als Kind jüdischer Emigranten. Über seine Mutter, Laura Zirner, Wiener Jüdin, die 1938 über Kanada in die USA flüchten konnte, und über seine Großmutter Ella Zwieback, ehemalige Besitzerin des legendären Kaufhauses Zwieback in der Kärntner Straße, hat er mit seiner Tochter Ana das Buch „Ella und Laura“ geschrieben.

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Sein Vater leitete eine Opernschule – und dort machte August Zirner erste Bühnenerfahrungen. „Ich spielte einen Hund – und habe nach dem Takt meines Vaters gebellt“, sagt er. „Und ich habe gemerkt: Ich mache das sehr gerne!“ Ein Theaterbesuch in New York beim Stück „Hadrian VII.“ erwies sich dann als überaus prägend. Das Stück handelt von einem Pfarrer, „der exkommuniziert wird, weil er sehr liberal ist“, erzählt Zirner.

„Ich habe mich wie verliebt in diesen Menschen und habe tagelang Bauchweh gehabt, weil ich mich gefragt habe: Wie geht es dem jetzt? Und da wusste ich: Ich will das auch machen. Ich will anderen Menschen nicht unbedingt Bauchschmerzen verursachen, aber ich war so fasziniert davon, wie sehr dieses Stück mir nachhing, wie viel ich über diesen Menschen nachgedacht habe. Ich wusste: Ich will auf der Bühne stehen und Menschen verführen, an Menschen zu denken.“

Unterhaltung

Zirner machte dann in Europa Karriere als Schauspieler und widmet sich als Flötist der Musik. In der Musik entsteht Heimat, sagte Zirner einmal in einem Interview. Heißt das, im Umkehrschluss, dass das Schauspielen von der Heimat entfernt? „Es gibt Momente der Gemeinsamkeit auf der Bühne – ich erinnere mich an einen dieser Momente während der ,Ringparabel‘, da haben wir alle gemeinsam sinniert, was ist Religion, wo sind wir eigentlich. Viele Schüler waren in der Aufführung, und alle waren mucksmäuschenstill. Da entsteht eine Art Stille zwischen der Bühne und dem Publikum, da könnte ich die Menschheit umarmen. Aber das ist nicht immer so“, sagt er mit …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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