„La Calisto“ im Theater an der Wien: Ein Mythen-Fantasy-Theater

Kultur

Mit Barockmusik verbindet man Opulenz, nie enden wollende Koloraturen, Pracht und Drama. Wer all das erwartet, wird beim Saisonbeginn im Theater an der Wien eines Besseren belehrt.

Intendant Stefan Herheim inszeniert „La Calisto“ des italienischen Komponisten Francesco Cavalli als Mythen-Fantasy-Theater, das mit zunächst vielen zauberhaften Bildern für das Karge in der Musik entschädigt.

Die Basis liefert Silke Bauer mit ihrer klug konstruierten Bühnenmaschinerie. Wie beim Intro zu einem James-Bond-Film öffnen sich Ovale.

Mit dezenten Projektionen im Hintergrund verwandelt sich das Szenario in eine apokalyptische, von einem Brand verwüstete Welt und in einen sinistren Wald.

Cavalli verschränkt in seiner Oper die Geschichte der Nymphe Calisto, einer Gestalt aus den Metamorphosen des Ovid, und des Hirten Endimione. Als Calisto, die sich Göttin Diana angeschlossen hat, von Jupiter geschwängert wird, verwandelt sie dessen Frau Juno in eine Bärin. Am Ende ihrer Tage wird Calisto zum Sternbild. Jupiters Tochter Diana nimmt sich den Hirten Endimione, und entfacht die Eifersucht der Satyrn.

Gegenwärtig

Herheim zeigt die Figuren als über den Zeiten stehende gegenwärtige Gestalten. Jupiter etwa, ist ein Macho im weißen Smoking, der sich in Diana verwandelt, um Calisto zu verführen. Merkur tritt einmal als Feuerwehrmann auf, der einen Waldbrand löscht. Es wird verführt und geliebt und das genau zur Musik. Ein Ballett mit toll gearbeiteten Tiermasken tritt auf, die Schlacht der Satyrn gegen die Amazonen mutet wie aus einem Musical an. Echtes Zaubertheater entsteht, wenn Tänzer auf der schwarzen Bühne mit Lampen aufgehende Sterne symbolisieren. Juno tritt mit ihren flatternden Furien wie in einer düsteren Revue auf.

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Dann aber kippt das Geschehen ins Banale, die Zauberwelt zerbricht. Jupiter entschwebt als Gottvater verkleidet mit seiner Calisto im Bett ins All, die Satyrn tanzen in Mönchs-, und Nonnengewändern auf. Ermione wird auf einem Bett von den Satyrn geröstet und von Diana befreit. Am Ende geht Calisto im Fellmantel von der Bühne und Jupiter triumphiert im Kostüm eines barocken Fürsten.

Die Stimmen

Vera-Lotte Boecker überstrahlt mit ihrem Sopran alles, der aber hebt sich von den anderen Stimmen wie der Klang eines Steinways von einem Hammerklavier-Ensemble ab. Milan Siljanov verstellt seinen Bariton als Diana in eine Art Falsett. Luciana Mancini ist eine herbe Diana. Jake Arditti setzt sich als Satyr mit seinem Countertenor durch. Arnaud Gluck fällt vokal als Ermione nicht besonders auf. Marcel Beekman setzt auf Klamauk.

Die Musik

Über Christina Pluhars musikalische Umsetzung ließe sich diskutieren. Die Dirigentin, die sich jahrzehntelang mit Cavalli auseinandergesetzt hat, arrangierte diese Oper neu, wie sie im Kurier-Interview sagte. Im ersten Teil ist es, als würde sie die historischen Instrumente ihres Ensembles L“Arpeggiata in extrem kontemplativen Passagen zum Sprechen bringen und zwingt zum konzentrierten Zuhören. Warum sie manches ins Jazzige, oder in eine Art lateinamerikanische Tanzrhythmen entgleiten lässt, erschließt sich nicht. Viel Applaus und keine Einwände vom überwiegend begeisterten Premierenpublikum.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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