OECD-Direktor: „Österreich muss Kinder früher und gezielter fördern“

Politik

Die jährliche OECD-Studie zeigt die Problemfelder des österreichischen Bildungssystems auf. Im Fokus dieses Jahr: Die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Schwierigkeiten gibt es vor allem bei jungen Lehrerinnen und Lehrern: Nahezu jeder Zehnte schmeißt den Job wieder hin: 

Aber es gibt auch in einigen andere Bereichen dringenden Handlungsbedarf, wie OECD-Direktor Andreas Schleicher am Dienstag in der ZIB2 ausführt.

Insbesondere bei der Lesekompetenz falle es jungen Menschen zunehmend schwer, komplexe Aufgaben zu bewältigen sowie Texte zu bewerten und zu reflektieren. Schleicher führte das auch auf die digitale Welt zurück, in der viele fertige Antworten verfügbar seien. Die Nutzung digitaler Medien könne sich somit negativ auf die Leistungsentwicklung auswirken, besonders wenn Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Smartphones nutzen. Entscheidend sei, digitale Instrumente mit „einem klaren pädagogischen Konzept“ einzusetzen.

Sprachförderung soll früher beginnen

Besonders wichtig sei eine frühe Förderung der Deutschkenntnisse. In Österreich sei die Leistungsschere zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund auch unter Berücksichtigung sozialer Faktoren groß. Zwar habe Österreich bei der Betreuung von Drei- und Vierjährigen aufgeholt, bei den unter-Dreijährigen gebe es aber weiterhin Nachholbedarf. „Da zählt es wirklich, sehr früh anzufangen.“

Als positives Beispiel nannte Schleicher Großbritannien. Dort gebe es in den Kindergärten flächendeckend ausgebildete Fachkräfte, die sich speziell um die Kinder mit sprachlichem Förderbedarf kümmerten. Auch in den ersten Schuljahren würden dort Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten gezielt unterstützt; dafür hätten Schulen ein eigenes Budget. Sprachkenntnisse seien, so Schleicher, die „Mutter aller Kompetenzen“.

Förderung statt Wiederholen

Die steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern, die in Österreich eine Klasse wiederholen – während die Zahl an Sitzenbleibern im OECD-Vergleich sinkt – sieht Schleicher ebenfalls kritisch. Die Alternative sei, Leistungsdefizite früh zu erkennen und gezielt zu fördern, so der Experte. Das sei kostengünstiger und führe zu besseren Ergebnissen, sagte er mit Verweis auf internationale Vergleiche.

  Zehn Tage nach Wahl: Regierungsbildung in Schweden gescheitert

Auch längeres gemeinsames Lernen habe sich seiner Ansicht nach in der Regel bewährt, sagt er mit Blick auf eine mögliche sechsjährige Volksschule. Diese ermögliche Kindern, länger mit ihren Klassenkameraden zusammenzubleiben und könne Lehrkräfte dazu bewegen, Defizite stärker durch Unterstützung auszugleichen. 

Statt Schülerinnen und Schüler früh in Schulformen mit geringeren Erwartungen zu schicken, sollten die Leistungserwartungen gleich bleiben und die Unterstützung verbessert werden, fasst Schleicher zusammen. „Da gibt es viele positive Beispiele für Länder, die diesen Weg gegangen sind.“

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.