Roman „Schwestern“: Wie viel Erfolg braucht ein geglücktes Leben?

Kultur

Bettina und ihre Schwester Simone wachsen in der bayerischen Provinz in der Nähe des heute stillgelegten Atomkraftwerks Isar auf. Nicht nur die Nähe des Kernkraftwerks macht diese Kindheit ungewöhnlich. Vielmehr ist es das Verhältnis der Schwestern, in dem die jüngere für die ältere Verantwortung übernehmen muss.

„Schwestern“ heißt der neue Roman des Augsburger Schriftstellers Thomas von Steinaecker. Er beginnt in Landshut an der Isar in den 1980er-Jahren und erzählt von einer Mittelstandsfamilie mit zwei Kindern. Die Mutter betreibt eine kleine Schneiderei, der Vater ist im Atomkraftwerk angestellt. Simone, die ältere Schwester, ist geistig beeinträchtigt. Die Eltern lassen ihre Kinder nicht spüren, dass in ihrer Familie etwas anders ist, der Anschein der heilen Familie soll gewahrt werden. Doch der drei Jahre jüngeren Tochter Bettina wird einiges aufgebürdet. Sie übernimmt früh Verantwortung für ihre Schwester.

Die elterliche Aufmerksamkeit ist ungleich verteilt. Die Eltern haben Schwierigkeiten, die Jüngere mit ihren Bedürfnissen wahrzunehmen. Ihren Traum, Schauspielerin zu werden, kann Bettina nur ansatzweise umsetzen. Der große Erfolg stellt sich nicht ein. Ob ein solcher Bedingung für ein erfülltes Leben ist? Auch darum geht es in Thomas von Steinaeckers Roman, der die Leben der Schwestern vom Wendejahr 1989 bis ins Jahr 2035 begleitet. Mit Rückblenden, wechselnden Perspektiven und fast zu ausführlich geschilderten Nebenfiguren.

Erfolg und Erfüllung

Doch die Erzählung kommt immer wieder zurück zu Bettina, die in der Verantwortung für ihre Schwester letztlich die Hauptaufgabe ihres Lebens finden wird. Die Stärke dieses Romans liegt in den Fragen, die er stellt: Kann in einer Pflicht und einer Verantwortung, die man nie abstreifen kann, auch Erfüllung liegen?

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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