
Vor sieben Jahren war das Projekt H2Future Europas größte Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff. Mittlerweile gibt es viel größere. Die Anlage in Linz mit 6 Megawatt Leistung wird nun allerdings erweitert, wie die Projektpartner Voestalpine und Verbund am Freitag bekanntgaben. Unter dem Titel „H2Future-Follow-up“ wurde die bestehende Anlage um eine Wasserstoffverdichtung, Reinigung, Speicherung in vier großen Tanks und eine Wasserstoffverladung ergänzt. Dadurch soll das Verständnis einer künftigen Wasserstofflieferkette weiter wachsen, das Gas soll dadurch nun aber auch anderen Abnehmern zugute kommen.
Wasserstoff soll in Produktion von „grünem“ Stahl fließen
„Momentan wird die Anlagenerweiterung hochgefahren. Bis Ende des Jahres werden wir bereits erste Forschungsergebnisse sehen“, sagt Voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner. Der erzeugte Wasserstoff wird unter anderem in die Erzeugung von „grünem“ Stahl fließen. „Ab 2027 werden wir zwei Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz starten. Bis 2029 werden wir dadurch 30 Prozent unserer CO2-Emissionen einsparen. Das sind 5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Österreich.“
Erweiterung soll weitere Praxiserfahrungen liefern
Den Ökostrom für den Betrieb der Wasserstoffpilotanlage liefert Verbund. „Wasserstoff ist eine strategische Stoßrichtung von uns. Er wird in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Industrie spielen“, sagt Verbund-CEO Michael Strugl. Das gelte vor allem für „Hard-to-abate“-Industrien, in welchen der Ersatz fossiler Rohstoffe schwierig ist. Die H2Future-Anlage sei der am längsten laufende Elektrolyseur mit Protonenaustauschmembran (PEM). Die Erkenntnisse daraus seien sehr wertvoll. Mit dem Follow-up könne man nun zusätzliche Erfahrungen sammeln.
In den vergangenen Jahren konnten die Projektpartner etwa herausfinden, wie sich Wirkungsgrade im Laufe der Zeit entwickeln oder wie sehr man eine Elektrolyse zeitlich flexibel betreiben kann, um das Stromnetz zu entlasten. „Und wir wissen jetzt sehr genau, welchen Wasserstoffpreis wir erzielen können“, sagt Eibensteiner. Mit den aktuellen Energie- und CO2-Preisen komme man auf 7 bis 9 Euro pro Kilogramm Wasserstoff. „Das ist schon deutlich mehr als es zu einem richtigen Business Case zu machen.“
Der Preis für Wasserstoff ist noch zu hoch
Um Wasserstoff zu einer wirtschaftlich attraktiven Alternative zu Erdgas zu machen, müsste der Preis auf 2 bis 3 Euro pro Kilogramm sinken. Das wird eine Zeit lang dauern, vermutet Eibensteiner. Bei einem erfolgreichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Europa soll der Preis bis 2030 auf 5 bis 7 Euro sinken. Bis 2040 will man „in die Gegend von 2 bis 3 Euro kommen, vielleicht ein bisschen darüber“.
„Bis jetzt sind es eher geförderte Wasserstoffprojekte, die realisiert werden, ansonsten ist das wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Strugl. Deswegen müsse man über Importe aus Regionen mit geringeren Herstellungskosten nachdenken. Der Verbund arbeitet etwa an einem möglichen Projekt mit Partnern in Tunesien zusammen. In Europa müsse unterdessen noch viel passieren, um das Thema Wasserstoff voranzubringen. In Österreich fehlten etwa gesetzliche Grundlagen und regulatorische Rahmenbedingungen. „Das Gaswirtschaftsgesetz wäre der nächste wichtige Schritt“, so Strugl.
Autoindustrie ist sehr an CO2-reduziertem Stahl interessiert
Grüner Stahl hingegen sei bereits ein gefragtes Produkt, schildert Eibensteiner. „Wir verkaufen Greentec-Steel schon im Baubereich. Und wir haben Verträge mit Autoherstellern abgeschlossen.“ Wenn die Produktion im kommenden Jahr hochgefahren werde, habe man bereits Abnehmer, die bereit seien, einen Aufpreis für CO2-reduzierten Stahl zu zahlen.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



