Ukraine-Kenner und Unternehmer: „Vor dem Winter haben wir wirklich Angst“

Politik

Granig hat viele „Hüte“ auf: ehemaliger Manager, Autor, Unternehmensberater und Helfer für die Ukraine.

KURIER: Sie reisen oft mit Ihrer Frau in die Ukraine. Täglich fährt ein Zug vom Hauptbahnhof Wien nach Kiew. Warum ist der Zug so ein wichtiges Verkehrsmittel für die Ukraine geworden?

Cornelius Granig: Seit 2022, als dieser furchtbare Krieg begonnen hat, wurden fast alle ukrainischen Flughäfen zerstört, die anderen wurden geschlossen, weil auch aus versicherungsrechtlichen Gründen hier keine Flugzeuge mehr landen können. Früher hat die AUA fast alle größeren Städte angeflogen, jetzt ist das Hauptverkehrsmittel die Bahn. Und ich sehe – auch mit den Augen eines Aufsichtsratschefs eines österreichischen Bahnterminals –, wie unglaublich flexibel die Ukrainer sind. Die planen jeden Tag in der Früh neu, überlegen, was in der Nacht davor passiert ist, welche Energie es gibt und welche Prominente mit Sonderzügen kommen.

Sie sind Präsident des privaten Vereins „Ukrainehilfe“. Was ist die Aufgabe?

Sie ist 2022 auf Bitte des ukrainischen Botschafters gegründet worden, um die Hilfe zu intensivieren. Ich bin auch Mitbegründer es parlamentarischen Ukraine-Round-Tables, der jeden Monat zusammentritt. Wir versuchen, die Anliegen der in Österreich lebenden Ukrainer so darzustellen, dass die Menschen verstehen, dass es sich dabei wirklich um arme Flüchtlinge handelt. Nur sehr wenige entsprechen dem negativen Klischee der Superreichen.

Diese auffälligen Ukrainer, oft mit sehr teuren Autos, schaden der Hilfsbereitschaft, weil sie das Vorurteil bestätigen, dass die Ukraine ein Land mit korrupter Elite ist. Das ist ein großes Problem in der politischen Diskussion und für die Spendenbereitschaft. Natürlich gibt es korrupte, superreiche Ukrainer, die in Villen im 19. Bezirk leben, manche waren schon vor dem Krieg da. Das ist aber eine sehr kleine Gruppe. Doch die Strafverfolgung in der Ukraine hat begonnen: Zwei neue Antikorruptionsbehörden sperren laufend korrupte Spitzenbeamte ein.

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Der Winter steht bevor, die Russen setzen mit ihren Angriffen auf Zermürbung der Zivilbevölkerung.

Vor dem Winter haben wir wirklich Angst. Letztes Jahr hatte es bis minus 37 Grad in der Ukraine, dazu wehte ein eisiger Ostwind. Selbst in den sehr gut isolierten Wohnungen der österreichischen Diplomaten hatte es nur 13 Grad, weil die Fernwärme-Infrastruktur angegriffen worden war. Man stieg auf Elektro-Heizgeräte um, wenn nicht auch noch der Strom ausgefallen war. Wir haben versucht, für ukrainische Hilfsorganisationen Geld aufzutreiben, die dafür Decken, Schlafsäcke und Socken gekauft haben. Hoffentlich wird wenigstens der heurige Winter nicht so kalt.

Gibt es Hoffnung auf Frieden?

Das schönste Weihnachtsgeschenk für die ukrainische Bevölkerung wäre ein Waffenstillstand mit Friedensgesprächen. Vielleicht kann es auch mit Unterstützung der UNO Pufferzonen für strittige Gebiete geben. Doch derzeit wird auf beiden Seiten hochgerüstet.

Irgendwann einmal endet jeder Krieg. Wie groß sind die Chancen, auch für österreichische Unternehmen, am Wiederaufbau beteiligt zu sein?

Wir waren früher ein extrem wichtiger Investor in der Ukraine und sind es im Verhältnis zur Kleinheit unseres Landes immer noch. Die Uniqa zum Beispiel betreibt eine der größten Versicherungen der Ukraine. In meinen beruflichen Stationen in der Ukraine – bei Raiffeisen und bei Siemens – habe ich mit so vielen unglaublich gut ausgebildeten, fleißigen und innovativen Menschen dort zusammengearbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass der Wiederaufbau in der Ukraine der …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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