
500 Euro Startbonus für jedes Neugeborene, danach steuerfreier Vermögensaufbau: ÖVP und Neos haben in den vergangenen Monaten auf das sogenannte „Zukunftsdepot“ gedrängt. Nach anfänglich zähen Verhandlungen mit der SPÖ wird das Anlagekonto nun doch schon im kommenden Jahr umgesetzt.
„Mit dem Zukunftsdepot wollen wir auch die Chancen des Kapitalmarkts leichter zugänglich machen“, sagt die für die Umsetzung zuständige Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP). Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) meint: „Bereits ein kleiner Betrag jeden Monat kann langfristig im Zukunftsdepot zu einem ordentlichen Betrag anwachsen.“ Stimmt das? Die Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen:
Wer bekommt den 500-Euro-Startbonus, wer nicht?
Der Bonus steht allen Neugeborenen zu, die einen Wohnsitz in Österreich haben – auch Asylberechtigten. Ausgenommen sind nur Asylwerber und Ukraine-Vertriebene. Sie erhalten den Bonus allerdings im Nachhinein, sollten sie ein Bleiberecht bekommen. Weiterer Punkt: Der Lebensmittelpunkt des Kindes muss zumindest 15 der Lebensjahre in Österreich gelegen sein. Ansonsten entfällt der Anspruch auf den Startbonus von 500 Euro, dessen Wertsteigerung und die KESt-Befreiung auf die selbst angelegte Summe.
Was geschieht, wenn Eltern vergessen, ein Depot zu eröffnen?
Dann veranlagt der Staat nach dem dritten Geburtstag des Kindes die 500 Euro Startbonus automatisch im Bundesschatz – investiert sie also in Staatsanleihen.
Ab wann gibt es das Zukunftsdepot?
Obwohl es mit Juli 2027 startet, sollen den Bonus alle ab 1. Jänner 2027 geborenen Kinder erhalten. Das Depot an sich können Eltern für alle unter 18-Jährigen eröffnen – und pro Jahr maximal 5.000 Euro einzahlen.
Wie viel Geld kann man ansparen?
Das hängt von der veranlagten Summe und der Rendite ab. Die Neos haben einen Online-Rechner erstellt, der von einer durchschnittlichen Marktrendite von 6,7 Prozent ausgeht (siehe Grafik). Zahlen die Eltern 20 Euro pro Monat ein, erhält das Kind mit dem 18. Lebensjahr 9.820 Euro. Der Wertzuwachs liegt in diesem Beispiel bei 5.000 Euro, die KESt-Ersparnis bei rund 1.071 Euro. Bei einer Einzahlung von 50 Euro pro Monat bleiben 22.140 Euro übrig. Wird der Maximalbetrag von 5.000 Euro pro Jahr veranlagt, startet das Kind mit 172.718 Euro ins Erwachsenenleben. KESt-Ersparnis: mehr als 22.000 Euro.
Sind solche Renditen realistisch?
Die durchschnittliche Rendite des MSCI World liegt historisch betrachtet bei etwa 7 bis 9 Prozent. Durch die KESt-Befreiung wäre ohnehin auch eine konservative Veranlagung über das Zukunftsdepot profitabler als über einen normalen Bausparer. Neos-Mandatar Christoph Pramhofer rechnet vor: Zahlen Eltern monatlich 100 Euro aufs Zukunftsdepot ein, bleiben nach 18 Jahren rund 44.000 Euro übrig. Bei einem Bausparer wären es nur 25.000 Euro.
Wer profitiert am stärksten vom Zukunftsdepot?
Die Arbeiterkammer spricht von einem Steuergeschenk für die Kinder reicher Eltern. Sie begründet mit dem Sparverhalten der Familien in Österreich: Demnach können nur vier Prozent der Familien das Zukunftsdepot voll ausschöpfen, also 5.000 Euro pro Kind und Jahr sparen – während die Hälfte gar nichts sparen könne. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hält die Maßnahme wiederum für eine „gute Sache“. Kapitalmärkte seien kein Spielcasino, die Risikoaversion in Österreich ein „echter finanzieller Nachteil“.
In welche Finanzprodukte darf man investieren?
Definitiv ausgenommen sind Aktien, Kryptowährungen sowie sämtliche weitere Hochrisikoprodukte. Ebenso müssen die Finanzprodukte die EU-Regularien erfüllen. Klassische Anwendungsfälle wären beispielsweise Indexfonds wie der MSCI World, diverse ETFs oder …read more
Source:: Kurier.at – Politik



