
Ist es denkbar, dass sich Max Verstappen oder Kimi Antonelli bei der Siegerehrung eine anrauchen? In den Siebzigerjahren wäre das völlig normal gewesen. Gut, das waren andere Zeiten, damals durfte man noch im Flugzeug und sogar im Fernsehen rauchen. Auch viele Sportler haben früher getschickt und kein Geheimnis daraus gemacht.
Aber nirgends wurde so viel gepofelt wie in der Formel 1. Viele Fahrer steckten sich in den Boxen oder eben auf dem Siegerpodest gern eine Zigarette an. Der Italiener Arturo Merzario soll bis zu fünf Päckchen am Tag geraucht haben. Die Fahrer dachten sich nichts dabei: Dass Rauchen ungesund ist, war zwar schon in den 60er-Jahren bekannt. Aber Rennfahren war damals definitiv noch ungesünder.
Dazu kam, dass die Tabakindustrie die Formel 1 früh als Werbeplattform erkannt hat. Weil Zigarettenwerbung im britischen Fernsehen schon im Jahr 1965 verboten wurde, musste man sich nach anderen Wegen umsehen. Die erste in der Formel 1 präsente Zigarettenmarke war Gold Leaf, die ab 1968 das Team Lotus sponserte. Jochen Rindt, übrigens Raucher, verunglückte 1970 in einem rot-weiß-goldenen Gold-Leaf-Lotus tödlich.
Ganz in Schwarz-Gold
Als der englische Konzern Imperial Tobacco, der auch Gold Leaf produzierte, Anfang der 70er-Jahre die neue Marke John Player Special international lancieren wollte, setzte man auf die Formel 1. „Das war schneller und viel billiger, als rund um den Globus Anzeigen zu schalten“, erinnerte sich PR-Manager Tim Collins.
Von 1972 bis 1986 – mit drei Jahren Unterbrechung – gingen die Lotus-Boliden in der todschicken JPS-Lackierung an den Start; bei Rankings der coolsten Formel-1-Designs der Geschichte belegt der schwarz-goldene JPS-Lotus stets Spitzenplätze.
Mastermind des Sponsorings war der John-Player-Marketingchef Geoffrey Kent, der das Konzept mit damals ungekannter Konsequenz umsetzte: Das gesamte Team – vom Transporter bis zum Hubschrauber, von den Mechanikern bis zu den Boxen-Mädchen – war schwarz-gold gebrandet.
1972 war auch das Jahr, in dem Marlboro die Formel 1 betrat. Die Marke aus dem US-Konzern Philip Morris sponserte zunächst BRM – das Team, für das 1973 der junge Niki Lauda fuhr – und ab 1974 McLaren. Dass der englische Playboy James Hunt 1976 auf McLaren Weltmeister wurde, passte perfekt: Der Kettenraucher (40 Zigaretten täglich) war das perfekte Testimonial für Marlboro.
Geld spielte keine Rolle. John Hogan, der bei Philip Morris jahrzehntelang für das Formel-1-Sponsoring zuständig war, erzählte einmal, wie McLaren-Boss Ron Dennis 1993 zu ihm sagte: „Ich kann mir Senna nicht mehr leisten. Wenn du ihn haben willst, musst du ihn bezahlen.“ Hogan einigte sich mit dem brasilianischen Superstar dann auf eine Million Dollar – pro Rennen.
Mehr als 20 Jahre lang, bis 1996, währte die Partnerschaft, dann wechselte Philip Morris zu Ferrari. Bei McLaren waren die Boliden rot-weiß wie ein Päckchen Marlboro lackiert gewesen. Bei Ferrari, wo Rot traditionell alles dominiert, war die Marke zwar nicht so sichtbar. Dafür ging die Partnerschaft weit über einen Sponsorendeal hinaus. Ferrari rekrutierte Personal aus dem Tabakkonzern für seine Managementabteilung; Philip Morris zahlte zig Millionen Euro und erwarb damit auch das Recht, Werbeflächen auf dem Auto weiterzuverkaufen (angeblich machte man dabei sogar Gewinn).
Die rasende Tabak-Trafik
Es gab Zeiten, da sah die Formel 1 aus wie eine rasende …read more
Source:: Kurier.at – Sport



