„Journal Deluxe“ auf ZDF: Die eingebildet Gekränkten

Kultur

Allabendlich dasselbe Bild: In zahlreichen Mehrzweckveranstaltungssälen des Landes, nein, der ganzen Welt stehen Kabarettisten und Comedians auf der Bühne und machen sich über die Rechten lustig, oder gleich, weil es so ähnlich ist, über die gesamte Mehrheitsgesellschaft. Im Publikum: Matcha-schlürfende Bobos aus dem siebenten Bezirk in Wien, die durch ganz Österreich reisen, um Rechte auszulachen und sich johlend auf die Schenkel zu hauen, wenn es Pointen über Heteromänner, Hausfrauen, Katholiken, Konservative oder gar die FPÖ hagelt.

Und bei jeder Gelegenheit sendet der linksversiffte öffentlich-rechtliche Rundfunk diese humoristische Verachtung dessen, was das normale und gesunde Volksempfinden so meint.

Das jedenfalls scheint, verfolgt man die öffentliche Diskussion, eine wiederkehrende Angstlust-Vision derjenigen zu sein, die sich von rechts in den Kulturkampf werfen: Der Kabarettszene ebenso wie dem Fernsehen wird vorgeworfen, an der Humorfront scharf links Stellung bezogen zu haben.

Blut in Wallung

Natürlich geschieht dies nicht ohne Grund: Diese gefühlte Kränkung durch das Kabarett versetzt das Blut vieler Menschen auf jene Art in Wallung, die sich populistisch ausschlachten lässt. Wenn nicht nur die Nachrichten, sondern auch die Unterhaltung als „links“ angeprangert werden, lässt sich damit prächtig Stimmung machen – gegen Künstler und Sender.

Wer dem Ganzen mit Distanz (oder gar Verwunderung) zusieht, weiß: Das Tatsachensubstrat – nur Linke lachen über nur Rechte – hat sich längst in Luft aufgelöst. Kleinkünstler und Großcomedians sind ja vielleicht nicht immer lustig, aber auf jeden Fall auch nicht blöd: Längst hat auch der Humor begonnen, das Erfolgsrezept des Gekränktseins für sich zu vereinnahmen. Dieter Nuhr, Lisa Eckhart, Monika Gruber, Roland Düringer, zunehmend auch der absolute Mainstream („das Ärgste an den 1980ern war wahrscheinlich die Gründung der Grünen“, sagt Gery Seidl) – sie alle haben auf ihre Arten die Pointen zurück Richtung links gedreht. Es sind ja auch wirklich alle Seiten des Kulturkampfes gleichermaßen reif für humoristische Bearbeitung.

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Bye-bye, Böhmermann

Jetzt ist der öffentlich-rechtliche Bereich nicht bekannt dafür, Speerspitze in popkulturellen Entwicklungen zu sein. Dennoch mutete es überaus staubig an, als die Überlegungen des ZDF für ihre neue Comedy-Show an die Öffentlichkeit gelangten. Mit seiner neuen Show plane der Sender eine „Diskurserweiterung“. Ziel sei es, künftig auch „Vermeider des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ (das ist rechts besonders stark ausgeprägt) anzusprechen. Das „Journal Deluxe“ verstehe sich „als Contrapunkt zu allen gängigen Comedy-Formaten und setzt an bei der Kritik an denen, die sonst selten kritisiert werden: Grüne, Linke & Co“, heißt es in einem Konzept, über das die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Dieses Konzept hat zwar Kabarett-Entwicklungen jahrelang verschlafen, ist aber offenbar ernst gemeint gewesen – und sehr zeitnah zur Info an die Öffentlichkeit gelangt, dass Jan Böhmermann, der die rechte Reichshälfte gerne vergrämte, mit seiner ZDF-Sendung aufhört. Viele ahnten da einen Zusammenhang.

Ein nötiger Eklat

Jetzt ist es so weit: Ab heute (18 Uhr) ist das erste „Journal Deluxe“ online beim ZDF abrufbar, kommende Woche dann im Fernsehen zu sehen. Und schon bevor sich alle gierig auf die neue Pointentonalität stürzen, sorgte Gastgeber Florian Schroeder für den nötigen Eklat: Für die Auftaktsendung wurde Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ein- und dann gleich wieder ausgeladen. Reichelt leitet das rechte Polarisierungsmedium Nius, das in seiner stählernen …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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